Stieg Larsson – Verdammnis (2. Teil)

Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin “Millennium” eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden.

Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein.
Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.
Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt …

Wunderbarer Stieg Larsson :-)   … mit diesem Buch setzt er fort, was er mit “Verblendung” begonnen hat. Aber diesmal erfährt man mehr, über die hoch-intelligente, aber sehr eigenartige Person Lisbeth Salander.

Allein mit Lisbeth und ihrer Person könnte man ein ganzes Buch fühlen. Sie ist eine ambivalente Figur, mit einer traurigen Vergangenheit, die immer wieder unterschätzt wird. Ich habe mich in Lisbeth doch sehr wiedergefunden, denn sie kann genau wie ich zwei Dinge nicht leider, Ungerechtigkeiten und Lügen. Schon auf den ersten Seiten kann man gar nicht anders, als Lisbeth ins Herz zu schließen … und sich gleichzeitig zu fragen:

  • Warum ist sie so wie sie heute ist?
  • Was war All das Böse als sie 12 Jahre alt war?
  • Wieso hat sie kein Vertrauen in den schwedischen Staat?

Ihre Vergangenheit ist traurig und düster, Lebensfreude sucht man eigentlich vergeblich, dennoch scheint Lisbeth kein unglücklicher Mensch zu sein. Sicher klingt einiges manchmal etwas Realitätsfern, aber darum geht es auch gar nicht, finde ich. Wie auch immer, Lisbeth Salander ist eine Figur, deren Faszination man sich kaum entziehen kann.

Die Geschichte fängt langsam an, aber wenn der Plot einmal losgeht, liest man es ein einem durch. Der Zwang, weiterzulesen war noch größer, als bei dem ersten Buch. Stieg Larsson baut eine hohe Spannung auf, die sich durch jede einzelne Seite zieht und nicht einmal abfällt. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, es wird langweilig oder es wäre zu viel irrelevantes geschrieben worden.

Die Story endet dann aber ziemlich abrupt und ich konnte gar nicht glauben, dass sie schon zu Ende ist .. man ist so mittendrin, dass es eigentlich unmöglich hier aufhören kann.Fällt mir sehr schwer, mich nun noch bis zum 9. Mai zu gedulden, wenn der 3. Teil “Vergebung” erscheint.

FAZIT: Ein Thriller, der von Anfang bis Ende die Spannung auf einem so hohen Niveau hält, dass man das Buch kaum zur Seite legen mag.

Für Quereinsteiger ist die “Millennium-Trilogie” übrigens gänzlich ungeeignet. Die Handlung baut aufeinander auf und in “Verdammnis” werden viele Details ausgeplaudert, die man vor der Lektüre von “Verblendung” definitiv nicht wissen sollte.

Taschenbuch: 768 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (August 2008)
ISBN-10: 3453433173
ISBN-13: 978-3453433175





Stieg Larsson – Verblendung (1. Teil)

Wer den frühen Mankell liebt, wer den späten Haakan Nesser mit seinen Nach-Van-Veeteren-Geschichten verschlungen hat, der ist bei dem schwedischen Experten für Rechtsextremismus genau richtig, der 2004 an einem Herzinfarkt starb und im eigenen Land schon als Legende gilt.

Der gescheiterte Journalist Mikael soll sich in die Historie der nordschwedischen Großfamilie Vanger einarbeiten und herausfinden, was vor mehreren Jahrzehnten geschah. Die damals 16-jährige Harriet Vanger verschwand aus einem klassischen Agatha-Christie-Setting: beim Familientreffen auf einer Insel, von der keiner weg konnte.

Aber wer ist der Mörder – falls es überhaupt einen gibt? Je mehr sich Mikael in die Familiengeschichte einarbeitet, um so mehr Wahnsinn deckt er auf. Und auf Seite 500 ist man noch immer so von der genialen verzweigten Story gefesselt wie auf Seite eins.

Und dann fiel mir Stieg Larsson in die Hand … und ich war restlos begeistert. Überhaupt nicht mit den Fitzek- und anderen Krimis zu vergleichen. Im Grunde überhaupt nicht, das was man von einem klassischen Krimi alà Leichenfund auf einer Insel usw. kennt.

Anfangs fand ich “Verblendung” ein wenig schwer, dass es um korrupte Machenschaften unter Journalisten, Anwälten und Unternehmen geht, sich da einzulesen, erforderte zumd. bei mir ein wenig Geduld. Aber bevor man die Geduld verlor, kam der perfekte Übergangn zur eigentlichen Geschichte.
Und ab dem Moment konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es beinah in einem Rutsch durchgelesen. Die Spannungskurve fällt auf keiner Seite ab und ich habe so einige male gewundert, wie weit ich das Buch schon gelesen habe.

Die letzten 200 Seiten haben es so richtig in sich und man ist wie paralysiert. Kein wirkliche Grusel oder Psychoschocker, aber absolut intelligenter und perfekt durchdachter Krimi, der fesselt. Auch wenn ich mich ein paar mal ordentlich erschrocken habe, bin ich absolut begeistert!!

Ganz besonders hat mich der Charakter der Lisbeth Salander fasziniert, ein Unikum mit Problemen sich der (sozialen) Welt mitzuteilen und sich darin zurecht finden, aber als Ermittlerin in dem Fall der verschwundenen Harriet Vanger ein Genie. Ich habe sehr große Sympathien entwickelt, was mir in keinem Buch vorher so intensiv passiert, wie bei der hoch-intelligenten Lisbeth.

Das das Ende raffiniert gemacht ist, aber eben kein wirkliches Ende; gibt es natürlich eine Fortsetzung:  Verdammnis & Vergebung .

Fazit: Ein absolutes Muss, welches in keinem Bücherregal fehlen darf. Eine Trilogie, die ihresgleichen sucht.

Verlag: Heyne Verlag (1. Mai 2007)
Taschenbuch: 704 Seiten
ISBN-10: 3453432452
ISBN-13: 978-3453432451





Daniel Glattauer – Alle sieben Wellen

Zuerst die gute Nachricht: Emmi und Leo sind wieder da! Und jetzt die schlechte Nachricht: Es sieht so aus, als wäre ihre zauberhafte Geschichte mit diesem Band zu einem endgültigen Ende gebracht. Obwohl – man weiß ja nie …

Aber der Reihe nach.

2006 veröffentlichte Daniel Glattauer jenen ungewöhnlichen Liebesroman Gut gegen Nordwind, der einschlug wie eine Bombe: Die Geschichte einer Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, die in zufälligen E-Mail-Kontakt geraten und dann von dem, was der jeweils andere schreibt, so eingenommen sind, dass sie voneinander nicht mehr lassen können (und das, ohne sich je zu begegnen), wurde ein Sensationserfolg.

Und die Leser, süchtig geworden nach Glattauers virtuosem E-Mail-Stakkato, konnten, als sie die letzte Seite des Buches umschlugen, kaum fassen, dass das Vergnügen schon vorbei sein sollte – und dass die Geschichte dieses unerwartete, einem Schlag in die Magengrube gleichkommende Ende nahm. Mir jedenfalls klopfte so das Herz, dass ich 15 Minuten lang nicht einschlafen konnte. Blöd, wenn man das Buch gerade Abends im Bett ausgelesen hat.

Doch das Ende war kein Ende.

Ein knappes Jahr später kommt Leo aus Boston zurück, sein Zufluchtsort vor Emmi und wohl auch seinen Gefühlen, allerdings nicht alleine. Leo hat in Boston eine Freundin gefunden. Der Dialog zwischen Emmi und Leo geht in gewohnter Köstlichkeit weiter … obwohl beide eigentlich genau das nicht möchten und in der Zwischenzeit versucht haben, sich ein Leben ohne den jeweils anderen einzurichten, sind sie sich ganz shcnell wieder ganz nah. Aus dem ICH und Du wird wieder ein WIR. Und diesmal kommt es zur Begegnung …

Mit Alle sieben Wellen war mein bücherliebendes Herz endlich vollkommen von Emmi und Leo und Daniel gefangen genommen worden. Es ist einfach zauberhaft und sehr viel realistischer. Emmi und Leo kämpfen beide gegen ihre Gefühle, für ihre Gefühle, für und gegen diese E-Mail-Beziehung und vor allem umeinander. Sie treffen und verabschieden sich und können doch nicht wirklich voneinander lassen. Aber diese Dialoge! Was für schöne Zeilen darunter. Ich habe diesen Roman so so so geliebt und in einem glühenden Rausch innerhalb weniger Stunden gelesen. Einfach bezaubernd und so so so schön. Viel besser als Gut gegen Nordwind – und das kommt selten vor, dass ein Nachfolger besser ist als sein Vorgänger.

Fazit: Ein Buch, dass zusammen mit Gut gegen Nordwind, einen besonderen Platz im Regal verdient hat, eines das es verdient hat, immer wieder mit zarten Fingerspitzen berührt zu werden :-) . Liebe Emmi, lieber Leo und vor allem lieber Daniel: Danke!

Erscheinungsdatum: 4. Februar 2009 im Zschay Verlag
ISBN-10: 3552060936
ISBN-13: 978-3552060937





Julia Franck – Die Mittagsfrau

Als der siebenjährige Peter in der Küche in seinem improvisierten Bettchen liegt, singt Frau Kozinska durch die Risse im Boden in der Wohnung unten. Die Russen, die neuerdings bei ihr wohnen, halten sie nicht davon ab. Dann reißt die Mutter Peter unsanft aus seinen Träumen. Er müsse zur Schule, sagt sie, der Lehrer Fuchs warte.

Aber der Lehrer wartet schon lange nicht mehr auf jeden Schüler, seit die Schule zerbombt und in den Milchladen von Fuchs’ Schwester umgezogen ist. Der Krieg ist verloren, Hoffnungslosigkeit hat sich breit gemacht. Was soll man da noch lehren und lernen?

Ich habe mir das Buch gekauft, weil es den Literaturpreis erhalten hat. Ich war von Anfang an skeptisch, ob eine so junge Autorin  in der Lage ist, ein Buch über den 2. Weltkrieg zu schreiben. Das Buch war nicht spannend, es zog sich endlos hin und es gab keinen roten Faden.

Weder erfuhr man, was mit der Mutter geschehen ist noch was aus der Schwester und deren Freundin geworden ist. Die Schilderung von Helene und deren Wandlung war insgesamt unglaubwürdig. Vor allem die Schilderung, dass sie ihren eigenen Sohn nicht lieben kann. Die Sprache ist sehr verschachtelt mit lauter kurzen Nebensätzen und lässt sich schlecht lesen. Insgesamt eines der schlechtesten Bücher seit langem.Nun ist die Erzählweise von Franck schon recht antiquiert in ihrer versuchten Nachahmung eines Stils so etwa aus dem frühen 20sten Jahrhundert.

Fazit: Franck bringt so gut wie keinen Satz auf den Punkt, was das Lesen und das Verständnis erschwert. Ich habe das Buch nach der Hälfte aus der Hand gelegt.

(Im Übrigen bin ich absolut der Meinung, dass nicht jedes Buch, was  den 2. Weltkrieg und Nazi-Deutschland thematisiert per se als lesenswert befunden werden sollte.  Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun ;-) . )

Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 5 (4. März 2009)
ISBN-10: 3596175526
ISBN-13: 978-3596175529





Anonyma – Eine Frau in Berlin

Anonyma – Eine Frau in BerlinAls kurz nach Kriegsende ihr lang vermisster Freund Gerd glücklich und unerwartet von der Ostfront zurückkehrt, findet er eine ihm fremde Welt vor. Die Entfremdung wird noch größer nach einem Blick in die Tagebuchaufzeichnungen seiner Freundin.
Auf seine Frage nach dem darin häufig verwendeten Kürzel “Schdg.” kann sie nur bitter lachen. “Na, doch natürlich Schändung.” Kurz darauf verschwindet Gerd.

Ob für immer aus dem Leben der Frau aus Berlin — wie so vieles wissen wir es nicht. Ihre Trauer darüber hielt sich in Grenzen. Nach all dem Durchlittenen war in ihr für Liebe und Zärtlichkeit kein Platz mehr frei.”

Normalerweise schreibe ich meine Eindrücke über ein Buch immer gleich nachdem ich es zu Ende gelesen habe.  Bei diesem war das nicht so. Dieses Buch musste ich sacken lassen. Denn diese Lektüre ist wohl das ungeheuerlichste und authentischste Dokument, was es über die letzten Kriegsmonate in der großen Welt der Literatur gibt.

Die Identität der Anonyma ist, verständlicherweise, unbekannt, auch über ihren Tod hin aus. Ihre Vita bleibt weitestgehend im Dunkeln, aber sie ist Anfang 30, Fotojournalistin, weit gereist und sie spricht mehrere Sprachen. Und ihre Russischkentnisse erweisen sich als Lebensrettend.

Im Bombenhagel und banger Erwartung vor den Russen, haben sich ganze Hausgemeinschaften in Kellerlöchern verschanzt; dabei sind nur Kinder und ältere Frauen, die jungen Frauen wurden auf dem Dachboden versteckt.  Was in den meisten Fällen aber auch nichts nützen soll ….

Brutal und schonungslos schreibt Anonyma über die letzten Kriegstage und die Zeit danach, wie sie die Berliner Bevölkerung erlebt hat – vor allem die Frauen. Das Leid wird ohne Dramatisierung geschildert, egal ob Familien, die aus Verzweiflung Selbstmord begehen oder Jugendliche, die noch in den letzten Kriegstagen von Bomben getötet werden. Sehr bildhaft wird beschrieben, wie Eltern – nicht immer erfolgreich – versuchen, ihre jugendlichen Töchter zu verbergen, und wie viele Frauen versuchen, sich alt unattraktiv zu machen, um für die Soldaten nicht interessant zu sein. Und das es unweigerlich zu Vergewaltigungen kommt, wird auch offen und ehrlich beschrieben.

Ebenso anschaulich wird der Kampf um knappe Lebensmittel beschrieben, dass zu diesen Notzeiten auch Brenesseln oder faulige Kartoffeln reichen müssen, überhaupt wird der Kampf ums Überleben und auch das gegenseitige Bestehlen passend  charakterisiert.

Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der auch mal einen authentischen Einblick in das Leid der deutschen Zivilbevölkerung durch den Krieg erhalten möchte. Das Buch zeigt keine Spur von Mitleidsgeheische, nein, vielmehr wurden die Gefühle ausgespart, denn wenn alle Gefühle abgetötet sind, kann auch kein Hass mehr entstehen.

Fazit: Dieses Buch ist wichtig. Jeder, der sich mit den Geschehnissen von 1945 befaßt, sollte es gelesen haben!

*Erscheinungsdatum: 1. April 2005, im btb Verlag;
*Taschenbuch; 288 Seiten
*ISBN-10: 3442732166
*ISBN-13: 978-3442732166





Charlotte Roche – Feuchtgebiete

Charlotte Roche – FeuchtgebieteIch bin sehr enttäuscht von Charlotte Roche’s Buch “Feuchtgebiete.

Ich glaube, ich habe noch nie einem Leben ein geschmackloseres und gewollt-witzig-aber-leider-komplett-ins-Klo-gegriffen-Buch gelesen.

Es geht nur um Muschis, Muschisaft, pinkeln, Finger in die Muschi, Arschblumenkohl *schüttel*, Kotze essen/trinken *würgreiz* … viel mehr lesenswertes konnte ich leider nicht entdecken.

Gut jeder hat seinen persönlichen Geschmack, ich will auch niemanden meine Meinung aufrücken oder persönlich angehen und meine Meinung ist auch nicht das Non Plus Ultra.

Das Buch ist für mein Verständniss einfach nur für das mittlere Niveau heruntergeleiert und hat weder was von Schreibkunst, noch von Witz … und erst recht nicht etwas von dem, was ich an Charlotte Roche eigentlich immer mochte, nämlich Geschmack und Stil!





Khaled Hosseini – Tausend strahlende Sonnen

Khaled Hosseini – Tausend strahlende SonnenMariam ist ein harami, ein uneheliches Kind. Als ihre Mutter sich umbringt, wird sie von ihrem Vater deshalb schnellstmöglich mit einem Schuhhändler aus Kabul verheiratet. Die junge Laila ereilt Jahre später ein ähnliches Schicksal, das sich mit dem Mariams verflicht – sehr zu deren Unwillen. Dann jedoch versuchen beide Frauen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, doch unter dem Terrorregime der Mudschaheddin und später der Taliban bleibt ihnen dazu so gut wie kein Spielraum. Und so bleibt schließlich nur ein Ausweg.

2 Frauenschicksale in Afghanistan und ich muss zugeben, dass schon der Klappentext sehr viel versprechend ist. Drachenläufer ist sein erster Roman, wurde mir auch wärmstens empfohlen, liegt aber  bisher noch in der Liste der ungelesen Bücher. Aber dieses 2. Buch sprach mich auf Anhieb mehr an als sein Erstling.

Der Autor Khaled Hosseini beschreibt in seinem Roman die Lebensverhältnisse von Frauen in Afghanistan von 1959 bis 2002 als die Amerikaner den Taliban den Krieg erklärten. Eine sehr berührende, interessante Geschichte mit sehr viel Infos über Alltag, Kultur & Geschichte Afghanistans von der Besetzung durch die Sowjetunion bis hin zu den Taliban & dem Krieg gegen die USA.

Die Story rankt sich um die Geschichte zweier Frauen, die beide an einen Mann geraten, den sie sich nicht freiwillig ausgesucht haben. Die eine, etwas ältere, Mariam wird bereits mit 15 Jahren von ihrem Vater an einen älteren Mann verheiratet und erleidet Höllenqualen. Die zweite Frau Laila verliert durch einen Raketenangriff in Kabul ihre Eltern, wird selbst schwer verletzt und gerät dadurch an denselben Mann wie Mariam.
Aus einer Hassbeziehung wird dann eine Schicksalsgemeinschaft, wie bei einer Mutter mit Tochter. Beide versuchen sich von ihrem Peiniger zu befreien.

Fazit: Ein sehr spannender, emotionsgeladener, informativer Roman über Afghanistan und die Lebensverhältnisse unter den unterschiedlichsten Regiemen, die nur Leid und Elend brachten. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz und ob es ein Happy End gibt, sollte der Leser schon selbst herausfinden. (Der Titel des Buches stammt übrigens aus einem alten Gedicht, den einer der Protagonisten zitiert.)

Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Bvt Berliner Taschenbuch Verlag; Auflage: 1., Aufl. (April 2009)
ISBN-10: 3833305894
ISBN-13: 978-3833305894





Sarah Kuttner – Mängelexemplar

Sarah Kuttner – Mängelexemplar

Sarah Kuttner – Mängelexemplar

Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, liebenswert und aggressiv, überdreht und traurig. Als sie ihren Job verliert, ein paar falsche Freunde aussortiert und mutig ihre feige Beziehung beendet, verliert sie auf einmal den Boden unter den Füßen. Plötzlich ist die Angst da.

Dem Wahnwitz unserer Gegenwart zwischen Partylaune und Panikattacke gibt Sarah Kuttner eine Stimme: vom Augenzwinkern zum Ernstmachen, vom launigen Plaudern zur bitteren Selbstkritik. Lustig und tieftraurig, radikal und leidenschaftlich erzählt sie von dem Riss, der sich plötzlich durch das Leben ziehen kann.

Nach Fr. Roches talentfreiem Werk zum Thema Schließmuskel und Körperabsonderungen hatte ich von Frau Kuttner nicht all zu viel erwartet, geb ich ehrlich zu.

Ich mag Sarah Kuttner gerne und finde sie ist in der heutigen zeit, die unverblümt ihre Meinung sagt, gerne auch mal etwas derber, aber sie trifft es immer auf den Punkt.

Da aber nicht jeder so denkt, wie ich, dachte ich, dass ist ja ne feine PR-Strategie mit diesen Bücher. All die die hippen MTV und VIVA – Girlies auf den Buchmarkt loszulassen.

Doch Sarah Kuttners Buch hat mich sehr überrascht,  es greift auf eine sehr erfrischende und dich tiefgehende Art und Weise ein Thema auf, welches viel stärker tabuisiert ist als Charlottes Roches Unterhosengestank: nämlich Depressionen.

Kaum einer kann und/oder will zugeben, dass er depressiv ist – viele, sehr viele sind es aber eben doch. Statistiken belegen genau diese Tatsache und das Millionen Deutsche täglich Medikamente gegen Angst und Panik schlucken ist leider auch eine traurige Wahrheit.

Es zeigt das moderne Unglück des modernen Menschen, der, wie Kuttners Alltagsheldin Karo, mehr und mehr in einen Strudel gerät. Fr. Kuttner hat Karos Schicksal gut (be)schrieben, nicht ohne Witz, aber gottlob ohne ständig witzig sein zu wollen.

Fazit: Empfehlenswert, auch weil durch Kuttners Story ein tabuisiertes Thema – endlich - salonfähig wird. Leichte und doch schwere Kost, die mich tatsächlich ein paar Tage lang grübelnd begleitet hat.





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