Alice Sebold – In meinem Himmel

“Mein Nachname war Salmon, also Lachs, wie der Fisch; Vorname Susie.

Ich war vierzehn, als ich am 6. Dezember 1973 ermordet wurde.”
Nachdem ich im Kino die Vorschau zu “In meinem Himmel gesehen habe”, war meine spirituelle Ader sofort angesprochen. 2 Tage später war das Buch da und mit ihm die Geschichte um Susie Salmon und ihrem Himmel. Susie wird von ihrem harmlosen und in der Gemeinschaft geschätzten, wenn auch mitunter als komischen beschrieben, Nachbarn in ein Maisfeld gelockt. Dort wird sie vergewaltigt, umgebracht und zerstückelt. Schön, dass die Autorin auf blutige Details verzichtet hat und stattdessen die Gefühlslage der Susie wiedergegeben hat.

Susies Leiche wird nie gefunden, ausser einem Ellenbogen bleibt die 14 Jährige Verschwunden. Das weitere Geschehen beobachtet sie vom Himmel aus. Wie geht die Familie mit dem Schmerz des Verlustes um? Wie entwickeln sich ihre ehemaligen Schulkameraden? Wie kommt die Polizei mit ihren Ermittlungen voran?

All das wird mit messerscharfem Blick und ohne Anflug von Sentimentalität beschrieben. Ich durchlebte beim Lesen ein Wechselbad der Gefühle, schwer zu beschrieben, wie es mir bei einige Szenen ging. Leider verliert das Buch nach gut 200 Seiten seine fesselnd Kraft. Es fängt stark an und lässt dann Seite um Seite nach.

Die Ermittlungen kommen nicht voran, die Familie zerbricht, die Geschwister werden erwachsen, das Leben geht weiter. Es scheint fast so, als seien der Autorin beim Schreiben die Ideen ausgegangen. Sie verliert sich in “typischen” Alltagsgeschichten. Als Leser hätte man sich sicher einen fulminanten Schluss gewünscht.

Andererseits liegt gerade in den leisen Tönen auch eine Stärke des Buchs: Die Wehmut verpasster Chancen erfüllt nicht nur die Toten; dabei ist “Loslassen” der einzig wahre Schlüssel zum Glück.

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Ich werde mit den Film im Kino (Kinostart im Februar 2010) dennoch ansehen, ich denke, einige Szenen kann man visuell besser umsetzten als vielleicht beschreiben ;-) .





Stieg Larsson: Verblendung – der Film

Am Wochenende haben wir uns endlich Verblendung im Kino angesehen. Und was soll ich sagen, ich war und bin mal wieder absolut beeindruckt und eingenommen von Stieg Larssons Werk.

Der Regisseur Niels Arden Oplev verfilmte einen der meist verkauften Romane der letzten Jahre Verfilmung und im gelang die Umsetzung meiner Meinung nach grandios. Man darf eben nicht glauben, dass ein Buch 1 zu 1 zu einem Film umsetzbar ist.

Und doch kann man bei Stieg Larssons Werk “Verblendung” eine Ausnahme machen, schließlich geht es hier nicht um irgendein Buch, sondern um das Zweitplatzierte der internationalen Bestseller Liste des Jahres 2008. Oder anders gesagt: Der erfolgreichste Krimi des Jahres.


Lisbeth Salander © NFP (Warner)

Ich bin ja sonst sehr sparsam mit Lobhudeleien aller Art, erst Recht wenn es um Filme geht, aber hier möchte ich mich gerne überschlagen vor Lob.

Ich habe mich richtig gefreut, sie alle wiederzusehen. Wundersame, großartige Lisbeth Salander, Mikael Blomkvist, Erika Berger und auch Hendrik Vanger. Auch wenn ich mich erst an die Gesichter der Figuren gewöhnen musste, denn man hat ja immer seine ganz eigenen Vorstellungen, aber ich konnte gar nicht lange darüber nach denken, da hatten alle Darsteller meine Sympathien gewonnen. Jeder Protagonist aus dem Buch war letztlich so, wie er auch in den Bücher erscheint. Allen voran natürlich Lisbeth Salander. Ein Charakter, dem man sich überhaupt nicht entziehen kann. Aber auch “Kalle Blomkvist” hatte nach wenigen Filmminuten meine Sympathien für sich gewonnen.

Ohne zu viel verraten zu wollen, das Buch ist wirklich nahezu identisch umgesetzt werden. Die Vergewaltigungsszene von Nils Bjurmann an Lisbeth Salander ist sehr, sehr schlimm. Noch schlimmer auf einer Großleinwand zu ertragen, ich habe mit teilweise meine Jacke vor die Augen gehalten, weil die Szenen kein gesunder Menschenverstand erträgt. Aber Lisbeth rächt sich ja, und das auf ihre ganz eigene Art und Weise, was ebenfalls mit großem Schlucken meinerseits angeschaut wurde. Die Altersfreigabe von 16 Jahren ist da also mehr als gerechtfertigt.

Ähnlich faszinierend wie die Charaktere der Hauptdarsteller ist auch der Mordfall an sich, dessen Ermittlung spannend und clever konstruiert ist. Die Landschaft Schwedens kommt nicht zu kurz und es macht großen Spaß vor dieser Kulisse mitzurätslen, wer Harriet Vanger umgebracht hat. Oder warum sie verschwunden ist …

Da Verblendungaber nur der erste Teil einer Trilogie einer bereist produzierten Trilogie ist, darf man sich also auf 2 weitere Filme freuen. Im Februar 2010 kommt dann auch schon Verdammnisin die deutschen Kinos (In Schweden läuft der Film ja schon, wer also der schwedischen Sprache mächtig ist, viel Spass :-) ) und im Herbst 20102 dann der letzte Teil “Vergebung” in die Kinos.

Fazit: 5 von 5 Sternen für das Ermittler-Duo Blomkvist und Salander !

Information
Erscheinungstermin: 01.10.2009
Original-Titel: Män som hatar kvinnor
Produktion: Schweden 2009
Darsteller: Noomi Rapace, Michael Nyqvist, Sven-Bertil Taube
Regie: Niels Arden Oplev
FSK: 16
Laufzeit: 152 Min.
Land: Schweden
Genre: Thriller





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