Geliebte Tochter von Marianne Fredriksson

Modern, ungebunden, erfolgreich – die Architektin Katarina könnte Modell stehen für die junge Schwedin von heute. Doch dann wird sie ungeplant schwanger von ihrem amerikanischen Lover Jack, der ausrastet, als der davon erfährt und Katarina krankenhausreif schlägt …

Von diesem Zeitpunkt an ist alles anders in Katarinas Leben: Tief vergrabene Erinnerungen an ihre Kindheit kommen an die Oberfläche. Ihr Vater schlug schon ihre Mutter, über Jahre hinweg, immer und immer wieder. Doch Mutter Elisabeth nahm die Misshandlungen ohne Gegenwehr hin – wo sie eigentlich ein starke, unabhängige und intelligente Frau ist und somit gar nicht in diese typische Opferrolle passt.

Ist vielleicht nicht nur der Hang zur Gewalt, sondern auch der zum Ertragen von Gewalt erblich? Katarina spürt, dass sie erst die Geschichte ihrer Mutter kennen lernen muss, um ihre eigene zu verstehen und zu bestimmen. Nach Jahren der Distanz bauen ausgerechnet die Schläge von Jack wieder eine Brücke zwischen Mutter und Tochter.

Es ist das erste Buch der Autorin, welches ich gelesen habe und Marianne Fredriksson hat mich mit der Thematik des Buches sehr berührt. Sie hat ein Thema aufgegriffen, welches jeden normalen Menschen irgendwann man ein betrifft.
Sie hat ein besonderes Gespür dafür, schwierige Themen, wie in diesem Roman die Misshandlung und die weiteren Folgen im Leben, aufzugreifen, und die Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Dabei wird sie nie kitschig, kein Wort ist hier fehl am Platze.
Und das ist das Besondere an ihren Büchern, es sind Botschaften. Und die bringt sie mit so viel Spannung, Wärme und Tiefgründigkeit rüber, dass man als Leser einfach gezwungen ist, sich ebenso mit diesem Thema auseinander zu setzen. Man sitzt noch Stunden nach dem Lesen da und überlegt, grübelt, begreift, was Marianne Fredriksson vermitteln will.

Fazit: Einfach absolut fantastisch.

Gebundene Ausgabe: 367 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.)
Sprache:Deutsch
ISBN-10: 3596511089
ISBN-13: 978-3596511082
Originaltitel: Älskade barn





River von Donna Milner

River von Donna Millner

Was gemächlich beginnt ,endet mit einem Knall.

Mit stiller Aufmerksamkeit und gebannt liest man von einer Familiengeschichte, vor der Kulissen im Westen Kanadas und voller geheimnisvoller Andeutungen auf eine Tragödie hinausläuft. Über das fröhliche, glückliche und zufriedene Familienleben war eines Tages ein trauriges Schicksal hereingebrochen.

Denn heiter und geruhsam lebte das Ehepaar Ward mit seinen vier heranwachsenden Kindern auf einer Milchfarm in Atwood, einem kleinen Kaff in Kanada unweit von Vancouver.

Carl und Morgan, Natalie und der älteste Bruder Boyer helfen bei der Arbeit auf der Farm, denn jede Hand wird gebraucht. Boyer ist 22 Jahre alt und Natalie liebt und bewundert ihren großen Bruder sehr!

Eines schönen Tages tauchte in der ruhigen Idylle des Farmlebens Richard Jordan auf, genannt “River” . Er ist ein Hippie, der friedlich und unaufgeregt in das heile Familienleben eindringt. Hippie, das bedeutete damals “”make love, not war”", und das bedeutete Rebellion gegen die amerikanische Regierung, die sich in Vietnam einmischte und einen grausamen Krieg mit verursachte.

River ist ein sanfter und ausgeglichener Mensch, der nach Kanada desertiert ist, um sich dem Kriegsdienst zu entziehen. Als fleißiger Helfer und anregender Geist ist er in der Familie sehr willkommen und erobert die Herzen fast aller Familienmitglieder…

Heute im Jahre 2003 ist Natalie 52 Jahre alt, weit entfernt von ihrem ursprünglichen Zuhause, und arbeitet als Journalistin. Eines Tages wird sie von ihrem Bruder zur sterbenden Mutter gerufen und erinnert sich noch einmal sehr bewegend und intensiv, wie alles war, bevor es so traurig endete.

Donna Milner berichtet aus verschiedenen Perspektiven, wie es zum Zerfall der Familie gekommen ist. Niemand ahnte in dem ruhigen heißen Sommer von 1966, dass die heile Welt der Jugend und Kindheit dramatisch zerbrechen könnte.

Die Geschichte lebt vom dem gemütlich Gemeinschaftsleben der Familie, der Heuernte, der Küchendufte und dem liebevollen Umgang der Menschen mit- und untereinander. Ein scheinbar friedliches Landleben ein völlig normalen, intakten Familie. Doch es regen sich recht bald Zweifel, leise Hoffnungen und Liebesgefühle bei einzelnen Protagonisten, die auf mögliche Unruhe in der harmonischen Idylle hindeuten.

Dass sich am Ende eine verwickelte, äußerst spannende und sehr anregende Familiensaga aus den Anfängen der Erzählung entwickelt, in der unglaubliche Ereignisse stattfinden, die die Familie kaputt macht, macht die Lektüre zu einem spannenden Schmöker, den man begeistert bis zum Ende liest.

Und die Autorin hat es geschafft, mir ein liebevolles Bild dieser scheinbar gescheiterten Familie, in der fast jeder sich schuldig fühlt, jedoch niemand es ausspricht, zu schaffen. Schweigen zerfrisst  sämtliche Beziehungen von innen heraus und zerstört alles, was einmal gut und wichtig war.

Fazit: Mit “River” hat Donna Milner ein grandioses Debüt vorgelegt! Selten hat mich eine Geschichte über Schuld, Scham und Schweigen so in den Bann gezogen wie in diesem großartigen Roman und selten hat der Bruch und das Scheitern einer Familie so geschmerzt wie hier. 5 Sterne!

Broschiert: 397 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 3 (Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492258743
ISBN-13: 978-3492258746
Originaltitel: After River





Die Tochter des Fotografen von Kim Edwards

David`s Entscheidung seine am Down-Syndrom erkrankte Tochter Phoebe direkt nach der Geburt wegzugeben prägt das Leben der ganzen Familie: seiner Frau Norah hat David erzählt, das Phoebe nach der Geburt gestorben sei, doch seine Lüge steht zwischen den beiden und die Ehe leidet und Phoebe wächst bei der Krankenschwester Caroline auf, die für ihre Rechte kämpft. Und David? Wie lebt er sein Leben mit dieser Lüge?

Die Tochter des Fotografen ist ein Buch, das von seinen Emotionen geprägt ist. Die Geschichte um dieses große Geheimnis klingt sehr spannend und man möchte erfahren wie es ein Vater schafft seine Tochter wegzugeben und all die Jahre kein Wort darüber zu verlieren.

Ich habe mir diesen Roman anfangs anders vorgestellt, spannender,  aber vor allem ereignisreicher!
Die Zeit springt ziemlich schnell und als Leser muss man sich erst einmal daran gewöhnen. Das, was in den vergangenen Jahren passiert ist, ist für den Leser oftmals sehr überraschend und plötzlich. In diesem Buch werden nicht die Ereignisse oder die Handlungen der beiden Geschwister erzählt, sondern mehr die (Schuld)Gefühle von David und seine verzweifelten Versuche gegen die Leere in seinem Leben anzukämpfen.
Anfangs erfährt man noch reichlich viel über Phoebes Leben doch mit der Zeit tritt David mehr und mehr in den Mittelpunkt der Geschichte.

Die Autorin hat versucht so viel Emotionen wie möglich in dieses Buch zu packen. Deshalb habe ich die Geschichte auch nicht immer als berührend und gefühlvoll, eher als an Gefühlen und Hintergründen überladen, empfunden. Trotzdem erzählt das Buch eine wundervolle Familiengeschichte, die zeigt das jede Entscheidung, ob groß oder klein, das Leben vieler Menschen auf schmerzhafte oder glückliche Weise verändern kann.

Fazit: Ich fand das Buch im Prinzip schön zu lesen. Kurzweilige Unterhaltung, angenehme Stimmung. Was mich ein bißchen stört, ist die recht präsente “amerikanische Moral”. Amerikanische Hausfrau, die eigentlich gar nichts dafür kann, dass ihr Mann ihr die Tochter weg nimmt und alle leiden dann bis an ihr Lebensende, aber am Schluss wird alles wieder gut. Das ist ein bisschen dick aufgetragen.

***

Broschiert: 540 Seiten
Verlag: Aufbau Tb; Auflage: 8., Aufl. (2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746624444
ISBN-13: 978-3746624440
Originaltitel: The Memory Keeper’s Daughter





Henning Mankell: Die italienischen Schuhe

Frederik Welin hat sich in die Einsamkeit geflüchtet. Nach der “Katastrophe”, einem Kunstfehler, der dem Chirurgen unterlief, hat er sich auf eine abgelegene Schäreninsel zurückgezogen. Das ehemalige Haus der Großmutter ist zu seiner “Festung” geworden. Hier kann er, abgeschirmt von der Außenwelt, seine Rituale pflegen.

Im tiefsten Winter, bei schneidendem Wind, hackt er jeden Morgen ein Loch ins Eis und springt hinein. Für ihn ist dies die einzige Möglichkeit, sich selbst zu spüren, zu merken, dass er noch lebt.Es sind die vielen Begegnungen mit ungewöhnlichen, teils skurrilen Menschen, die etwas in Frederik auslösen. Es sind Individualisten, Traumatisierte, lebenskluge Stadtflüchtlinge wie der steinalte Italiener Giaconelli, der Schuhmacher, der nur zwei Paare im Jahr fertigt, oder Agnes, die sich um schwer erziehbare Mädchen kümmert.

Schritt für Schritt entdeckt Frederik die Schönheit und die Grausamkeit des Lebens wieder und spürt das Bedürfnis nach Nähe.

Mein erstes Buch von Henning Mankell – und ich muss ehrlich sagen, ich bin nicht so von den Socken, wie der Autor und seine Bücher angepriesen werden. Sein Schreibstil ist toll, aber auch sehr schwer und nicht fröhlich. Bei der Thematik dieses Buches ist das vielleicht nicht sehr verwunderlich, aber nur grau in grau gefällt mir dann doch nicht.

“Die italienischen Schuhe” machte auf mich den Eindruck ein sehr stiller, sehr tiefer Roman zu sein. Es geht um verpasste Gelegenheiten, Lebenslügen, um das Altwerden und um die Gnade einer zweiten Chance. Henning Mankell wiederum beherrscht diesen Stoff. Er erzählt klar und mit großer sprachlicher Könnerschaft eine Geschichte, die tiefe Einblicke in das Innenleben der Protagonisten zulässt.

Aber ich war ja schon gewarnt, also war ich demnach auch gar nicht so enttäuscht. Die Wortgewalt ist beeindruckend, die Geschichte um Harriet, Louise und Agnes fangen spannend an, werden dann aber oberflächlich und teilweise sehr abstrus.

Da trifft der zurückgezogene ehemalige Chirurg Frederik Welin nach vielen Jahren selbst gewählter Einsamkeit und Ruhe auf einen Haufen harter bzw. hartgewordener, abkanzelnder ja schroffer Frauen die ihn zwar aus seiner “Einsamkeit” herausholen, jedoch auf eine Art und Weise bei der ich manchmal Beklemmungen bekommen habe. Außerdem wollte ich zu diesem Zeitpunkt jetzt nicht unbedingt von langem Siechtum und Tod lesen – alles hat seine Zeit, aber diesmal war es die falsche.

Am Rande: Gefallen hat mir ebenfalls nicht, wie der (irreale, ich weiss ja) Protagonist mit seinen Tieren umgeht. Er tritt die Katze bei Seite, weil er sie gerade nicht ertragen kann. Der Hund wird ausgesperrt und muss draussen schlafen, weil er alt ist und nicht mehr die Treppen schnell genung steigt usw. usf.

Mag vielleicht nicht jeder so eng sehen, aber diese Szenen haben die Geschichte nicht bereichert, also hätte der Autor auf diese Grobheit auch verzichten können. Ein wenig Vorbildfunktion kann auch als Autor nicht schaden.

Fazit: Ein schönes Buch für Abende auf der Couch.

Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (18. Mai 2009)
ISBN-10: 3423211520
ISBN-13: 978-3423211529





Gut gegen Nordwind – Daniel Glattauer

Schon mal Angst gehabt, dass sich in eine sehr private E-Mail ein klitzekleiner Fehler einschleicht – und plötzlich ein völlig Fremder die Nachricht bekommt? Emmi Rothner passiert das genaue Gegenteil. Eigentlich will sie nur ein Zeitschriftenabo kündigen.
Doch durch einen Tippfehler landet die E-Mail bei Leo Leike, und zwischen den beiden entflammt ein zunächst zaghafter, mit der Zeit immer leidenschaftlicher Onlineflirt.

Ich habe mich verliebt. In Emmi und Leo.

Ich weiss gar nicht mehr, wie ich auf dieses Buch kam und begann es eher halbherzig zu lesen. Aber mit halben Herzen bleibt man bei diesem Buch nicht lange.

Emails haben wir alle schon geschrieben, ohne Ende vermutlich …. aber mit jemanden, der einem völlig fremd ist, wohl eher nicht. Der der Reiz liegt ja oft in dem, was man nicht kennt oder hat. Und genau damit spielt Daniel Glattauer perfekt in seinem Roman.

Das Buch besteht nur aus Emails, die sich Emmi und Leo schicken. Kurze Emails, die aber sehr intensiv sind. Gut gegen Nordwind ist das erst Buch, dass mich so sehr  in eine emotionale Achterbahn geworfen hat, dass ich mich nach einigen Zeilen komplett in Emmi und Leo verloren habe. Verrückt, aber genial.

Ich habe gelacht, mich geärgert, vor Spannung nicht schlafen können  und zwischendurch auch fast geweint und wenn ich das Buch aus der Hand gelegt habe, darüber nachgedacht, wie das mit den beiden wohl enden wird. Es ist kurzweilig geschrieben, was aber der Intensität keinen Abbruch tut. Und das Ende kam … und hat mich anschließend noch 15 Minuten Herzklopfen wach liegen lassen.

Fazit: Allerwärmste Kaufempfehlung. Gerade für all diejenigen, die mit dem Loch nach Edward und Bella zu tun hatten :-) !

(Und die Geschichte von Emmi undLeo geht tatsächlich weiter in: Alle sieben Wellen.)





Daniel Glattauer – Alle sieben Wellen

Zuerst die gute Nachricht: Emmi und Leo sind wieder da! Und jetzt die schlechte Nachricht: Es sieht so aus, als wäre ihre zauberhafte Geschichte mit diesem Band zu einem endgültigen Ende gebracht. Obwohl – man weiß ja nie …

Aber der Reihe nach.

2006 veröffentlichte Daniel Glattauer jenen ungewöhnlichen Liebesroman Gut gegen Nordwind, der einschlug wie eine Bombe: Die Geschichte einer Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, die in zufälligen E-Mail-Kontakt geraten und dann von dem, was der jeweils andere schreibt, so eingenommen sind, dass sie voneinander nicht mehr lassen können (und das, ohne sich je zu begegnen), wurde ein Sensationserfolg.

Und die Leser, süchtig geworden nach Glattauers virtuosem E-Mail-Stakkato, konnten, als sie die letzte Seite des Buches umschlugen, kaum fassen, dass das Vergnügen schon vorbei sein sollte – und dass die Geschichte dieses unerwartete, einem Schlag in die Magengrube gleichkommende Ende nahm. Mir jedenfalls klopfte so das Herz, dass ich 15 Minuten lang nicht einschlafen konnte. Blöd, wenn man das Buch gerade Abends im Bett ausgelesen hat.

Doch das Ende war kein Ende.

Ein knappes Jahr später kommt Leo aus Boston zurück, sein Zufluchtsort vor Emmi und wohl auch seinen Gefühlen, allerdings nicht alleine. Leo hat in Boston eine Freundin gefunden. Der Dialog zwischen Emmi und Leo geht in gewohnter Köstlichkeit weiter … obwohl beide eigentlich genau das nicht möchten und in der Zwischenzeit versucht haben, sich ein Leben ohne den jeweils anderen einzurichten, sind sie sich ganz shcnell wieder ganz nah. Aus dem ICH und Du wird wieder ein WIR. Und diesmal kommt es zur Begegnung …

Mit Alle sieben Wellen war mein bücherliebendes Herz endlich vollkommen von Emmi und Leo und Daniel gefangen genommen worden. Es ist einfach zauberhaft und sehr viel realistischer. Emmi und Leo kämpfen beide gegen ihre Gefühle, für ihre Gefühle, für und gegen diese E-Mail-Beziehung und vor allem umeinander. Sie treffen und verabschieden sich und können doch nicht wirklich voneinander lassen. Aber diese Dialoge! Was für schöne Zeilen darunter. Ich habe diesen Roman so so so geliebt und in einem glühenden Rausch innerhalb weniger Stunden gelesen. Einfach bezaubernd und so so so schön. Viel besser als Gut gegen Nordwind – und das kommt selten vor, dass ein Nachfolger besser ist als sein Vorgänger.

Fazit: Ein Buch, dass zusammen mit Gut gegen Nordwind, einen besonderen Platz im Regal verdient hat, eines das es verdient hat, immer wieder mit zarten Fingerspitzen berührt zu werden :-) . Liebe Emmi, lieber Leo und vor allem lieber Daniel: Danke!

Erscheinungsdatum: 4. Februar 2009 im Zschay Verlag
ISBN-10: 3552060936
ISBN-13: 978-3552060937





All content © 2008-2010 Cornelia Klueter
Blog Design by Splendid Sparrow