River von Donna Milner

River von Donna Millner

Was gemächlich beginnt ,endet mit einem Knall.

Mit stiller Aufmerksamkeit und gebannt liest man von einer Familiengeschichte, vor der Kulissen im Westen Kanadas und voller geheimnisvoller Andeutungen auf eine Tragödie hinausläuft. Über das fröhliche, glückliche und zufriedene Familienleben war eines Tages ein trauriges Schicksal hereingebrochen.

Denn heiter und geruhsam lebte das Ehepaar Ward mit seinen vier heranwachsenden Kindern auf einer Milchfarm in Atwood, einem kleinen Kaff in Kanada unweit von Vancouver.

Carl und Morgan, Natalie und der älteste Bruder Boyer helfen bei der Arbeit auf der Farm, denn jede Hand wird gebraucht. Boyer ist 22 Jahre alt und Natalie liebt und bewundert ihren großen Bruder sehr!

Eines schönen Tages tauchte in der ruhigen Idylle des Farmlebens Richard Jordan auf, genannt “River” . Er ist ein Hippie, der friedlich und unaufgeregt in das heile Familienleben eindringt. Hippie, das bedeutete damals “”make love, not war”", und das bedeutete Rebellion gegen die amerikanische Regierung, die sich in Vietnam einmischte und einen grausamen Krieg mit verursachte.

River ist ein sanfter und ausgeglichener Mensch, der nach Kanada desertiert ist, um sich dem Kriegsdienst zu entziehen. Als fleißiger Helfer und anregender Geist ist er in der Familie sehr willkommen und erobert die Herzen fast aller Familienmitglieder…

Heute im Jahre 2003 ist Natalie 52 Jahre alt, weit entfernt von ihrem ursprünglichen Zuhause, und arbeitet als Journalistin. Eines Tages wird sie von ihrem Bruder zur sterbenden Mutter gerufen und erinnert sich noch einmal sehr bewegend und intensiv, wie alles war, bevor es so traurig endete.

Donna Milner berichtet aus verschiedenen Perspektiven, wie es zum Zerfall der Familie gekommen ist. Niemand ahnte in dem ruhigen heißen Sommer von 1966, dass die heile Welt der Jugend und Kindheit dramatisch zerbrechen könnte.

Die Geschichte lebt vom dem gemütlich Gemeinschaftsleben der Familie, der Heuernte, der Küchendufte und dem liebevollen Umgang der Menschen mit- und untereinander. Ein scheinbar friedliches Landleben ein völlig normalen, intakten Familie. Doch es regen sich recht bald Zweifel, leise Hoffnungen und Liebesgefühle bei einzelnen Protagonisten, die auf mögliche Unruhe in der harmonischen Idylle hindeuten.

Dass sich am Ende eine verwickelte, äußerst spannende und sehr anregende Familiensaga aus den Anfängen der Erzählung entwickelt, in der unglaubliche Ereignisse stattfinden, die die Familie kaputt macht, macht die Lektüre zu einem spannenden Schmöker, den man begeistert bis zum Ende liest.

Und die Autorin hat es geschafft, mir ein liebevolles Bild dieser scheinbar gescheiterten Familie, in der fast jeder sich schuldig fühlt, jedoch niemand es ausspricht, zu schaffen. Schweigen zerfrisst  sämtliche Beziehungen von innen heraus und zerstört alles, was einmal gut und wichtig war.

Fazit: Mit “River” hat Donna Milner ein grandioses Debüt vorgelegt! Selten hat mich eine Geschichte über Schuld, Scham und Schweigen so in den Bann gezogen wie in diesem großartigen Roman und selten hat der Bruch und das Scheitern einer Familie so geschmerzt wie hier. 5 Sterne!

Broschiert: 397 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 3 (Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492258743
ISBN-13: 978-3492258746
Originaltitel: After River





Die Tochter des Fotografen von Kim Edwards

David`s Entscheidung seine am Down-Syndrom erkrankte Tochter Phoebe direkt nach der Geburt wegzugeben prägt das Leben der ganzen Familie: seiner Frau Norah hat David erzählt, das Phoebe nach der Geburt gestorben sei, doch seine Lüge steht zwischen den beiden und die Ehe leidet und Phoebe wächst bei der Krankenschwester Caroline auf, die für ihre Rechte kämpft. Und David? Wie lebt er sein Leben mit dieser Lüge?

Die Tochter des Fotografen ist ein Buch, das von seinen Emotionen geprägt ist. Die Geschichte um dieses große Geheimnis klingt sehr spannend und man möchte erfahren wie es ein Vater schafft seine Tochter wegzugeben und all die Jahre kein Wort darüber zu verlieren.

Ich habe mir diesen Roman anfangs anders vorgestellt, spannender,  aber vor allem ereignisreicher!
Die Zeit springt ziemlich schnell und als Leser muss man sich erst einmal daran gewöhnen. Das, was in den vergangenen Jahren passiert ist, ist für den Leser oftmals sehr überraschend und plötzlich. In diesem Buch werden nicht die Ereignisse oder die Handlungen der beiden Geschwister erzählt, sondern mehr die (Schuld)Gefühle von David und seine verzweifelten Versuche gegen die Leere in seinem Leben anzukämpfen.
Anfangs erfährt man noch reichlich viel über Phoebes Leben doch mit der Zeit tritt David mehr und mehr in den Mittelpunkt der Geschichte.

Die Autorin hat versucht so viel Emotionen wie möglich in dieses Buch zu packen. Deshalb habe ich die Geschichte auch nicht immer als berührend und gefühlvoll, eher als an Gefühlen und Hintergründen überladen, empfunden. Trotzdem erzählt das Buch eine wundervolle Familiengeschichte, die zeigt das jede Entscheidung, ob groß oder klein, das Leben vieler Menschen auf schmerzhafte oder glückliche Weise verändern kann.

Fazit: Ich fand das Buch im Prinzip schön zu lesen. Kurzweilige Unterhaltung, angenehme Stimmung. Was mich ein bißchen stört, ist die recht präsente “amerikanische Moral”. Amerikanische Hausfrau, die eigentlich gar nichts dafür kann, dass ihr Mann ihr die Tochter weg nimmt und alle leiden dann bis an ihr Lebensende, aber am Schluss wird alles wieder gut. Das ist ein bisschen dick aufgetragen.

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Broschiert: 540 Seiten
Verlag: Aufbau Tb; Auflage: 8., Aufl. (2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746624444
ISBN-13: 978-3746624440
Originaltitel: The Memory Keeper’s Daughter





Die Täuschung von Charlotte Link

Dieses Buch bekam ich von meiner Mutter zu Weihnachten geschenkt und es war mein erstes Buch von der Autorin Charlotte Link – und ich bin total begeistert!

Wie jedes Jahr im Herbst, fährt Lauras Mann nach Frankreich um mit seinem besten Freund einen Segelurlaub zu verbringen. Ein typischer Männerurlaub war geplant,  doch seit der Ankunft ist Peter Simon, geschätzter Ehemann und erfolgreicher Geschäftsmann, und  spurlos verschwunden.

Erste Nachforschungen Lauras ergeben, dass ihr Mann völlig pleite ist und anfänglich sieht es so aus als habe er sich abgesetzt, um dem finanziellen Desaster zu entfliehen. Kurzerhand reist Laura selber nach Frankreich um ihren Mann zu suchen und ahnt nicht, welche Geheimnisse ihr Mann dort gut hütete. Innerhalb kürzester Zeit stellt sich heraus, dass ihr Mann ermordet wurde und seit Jahren eine Geliebte hatte …

Die Täuschung ist wirklich super spannend und man liest sich atemlos von Seite zu Seite. Nach 10 Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen und musste wissen, wie es weitergeht. Ich habe gelesen und gelesen – im Auto, in der Badewanne, im Bett, überall. Dafür das ich nur mal kurz reinschauen wollte, bin ich aber voll in der Geschichte hängen geblieben konnte das Buch bis zum Ende nicht mehr weglegen.

Auch konnte ich es kaum erwarten, die Zusammenhänge der verschiedenen Geschehnisse zur erfahren. Die geschickt platzierten Andeutungen ließen richtiges Herzklopfen aufkommen. Wer Spannung und Unterhaltung [bis zum Schluss] sucht, der wird von diesem Buch nicht enttäuscht sein. Auf den Mörder wäre ich nie gekommen, Charlotte Link legt immer wieder Spuren und Fährten, die einen verdammt gut in die Irre führen. Jeder der Protagonisten hat im Laufe der Geschichte einen Grund, Peter Simon umgebracht zu haben.

Fazit:Ich habe das Buch in nicht mal 24 Stunden verschlungen und kann es nur empfehlen. Es war mein Charlotte Link Einstieg und Nachschub in Form von “Der Verehrer” liegt auch schon bereit.

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Taschenbuch: 496 Seiten

Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (13. Juli 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3442372992

SBN-13: 978-3442372997





Der Fliegenfänger von Willy Russel

Der Fliegenfänger von Willy Russel

Klappentext: Der Tag, an dem der elfjährige Raymond Marks in einer Schulpause per Zufall das “Fliegenfange” erfindet, ändert alles.

Das harmlose Spiel wird katastrophal missverstanden, Raymond  fliegt von der Schule und beginnt ein tragikkomisches Leben als Aussenseiter und Sonderling. Wie es ihm dennoch gelingt, sein ganz persönliches Glück zu finden, schildert dieser überaus komische und gleichzeitig warmherzige Roman.

“Wie ein englischer Huck Finn – todkomisch, todtraurig, sensationell”. Stern

Ein Buch, an dem ich sehr lange gelesen habe … ich brauche für Bücher selten über 3 Wochen, aber bei diesem Buch hab ich mich zwischen drin ehrlich gequält weiterzulesen und hatte dementsprechend recht lange Lesepausen und habe zwischendurch sogar noch ein anderes Buch gelesen.

Trotzdem ist dies eines der deprimierendsten Bücher, welches ich je gelesen habe. Der Protagonist schreibt Briefe/Tagebuch, Briefe an sein Idol Jim Morrissey, Briefe der dieser nie lesen wird. Dabei ist er unterwegs zu einem Job, den er nicht will in einem Ort den er nicht mag.

Ab der Hälfte des Buches wurde es sehr langatmig und es kostete mich Überwindung überhaupt weiterzulesen, ich hoffte mit jeder Seite drauf, dass diese Geschichte sich mal wendet und die dargestellte, deprimierende Hoffnungslosigkeit ein Ende nimmt. Auf seiner Reise nach Grimbsy passieren ihm die unmöglichsten Pannen, er erinnert sich an seine Kindheit und erzählt sehr verwirrend, was aus seinem Vater geworden ist.

Seine Kindheit und Jugend kann nur als schrecklich und grausam bezeichnet werden, die inmitten von Menschen stattfindet, die Ihn nicht verstehen und total versagen. Nervige und Negative Stereotypen die mir schon mal Bluthochdruck bescherten, über soviel Ignoranz und Ungerechtigkeiten, die einem elfjährigen Kind entgegengebracht werden. Ein bisschen mochte ich seine Großmutter, aber auch die hat letztlich vieles verkehrt gemacht.

Fazit: Wer Freude am Leid eines unverstanden Kindes und Jugendlichen hat, der soll sich das Buch ruhig anschaffen. Aber als amüsant und lustig kann ich die Geschichte nicht bezeichnen. Wer über so was lachen kann … der muss schon ganz schön unsensibel sein.

Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (1. Dezember 2002)
Sprache: Deutsch
SBN-10: 345386428X
ISBN-13: 978-3453864283
Originaltitel: The Wrong Boy





Der Kindersammler von Sabine Thiesler

Der Kindersammler von Sabine ThieslerEs geschieht am helllichten Tag.

Anne und ihr Mann Harald erleben den Albtraum aller Eltern: Während eines Toscana-Urlaubs verschwindet ihr Kind beim Spielen spurlos. Die Suche der Polizei verläuft ergebnislos, und sie müssen ohne ihren Sohn nach Hause fahren. Zehn Jahre später kehrt Anne an den Ort des Geschehens zurück, um herauszufinden, was damals passiert ist. Sie ahnt nicht, wie nah sie dem Täter kommt – und er ihr.
Ein Roman, der einem zuweilen den Hals abschnürt, so schrecklich realistisch ist die Geschichte.

Wenn man das Cover des Buches so sieht, sieht man alles andere, als das was drin ist. Ich habe die erste Seite gelesen und konnte es nicht mehr weglegen. Ich habe es im letzten Sommer gelesen und habe 3 Tage nur im Garten gesessen und dieses Buch verschlungen.

Die Geschichte beginnt in Berlin, wo innerhalb weniger Jahre mehrere kleine Jungs im Alter von 10-12 Jahren verschwinden und anschließend geschändet, gequält und tot aufgefunden werden. Man sieht sofort die Bilder vor sich, als sei man mittendrin und begleite die Personen als unsichtbarer Gast.

Diese Geschichte in Berlin endet recht plötzlich, um Jahre danach in der Toskana weiter zu gehen.

Harald und seine Frau Anna erleben dort den Albtraum aller Eltern: Ihr Sohn verschwindet  von einer Minute auf die andere spurlos. 10 Jahre danach, die beiden sind mittlerweile geschieden, macht sich Anna wieder auf, um am Ort des damaligen Geschehens die Spur ihres Sohnes wieder aufzunehmen. Dort macht sie sie Bekanntschaft mit einem netten Mann, dem sie eines der Häuser, die er dort gebaut hat, abkauft, um ihrem Sohn nahe zu sein. Sie ahnt nur nicht, wem sie da so nah ist …

Frau Thiessler legt einen Wechsel zwischen quälender Nüchternheit und Schonungslosen Einblicken in das Leben eines Mörders hin. Bis zum Ende hofft man, dass das die Kinder davon kommen und die Welt doch nicht so grausam ist. Dabei verzichtet sie aber auf blutrünstige Schilderungen, die den Roman, denke ich, erträglicher machen.

Stattdessen packt sie einen auf einer psychologisch-subtilen Ebene, lässt einen an dem Gedankengut des Pädophilen Alfred teilhaben, an der Ohnmacht der Eltern und der Jungen, macht es damit realistisch und erzeugt so ein viel tieferes Grauen.

Das Ende ist nachvollziehbar, wenn auch irgendwie nicht zufriedenstellend, ermöglicht wohl aber einen inneren Abschluss mit dem Thema und auch mit dem Buch -denn das braucht man auch.

Fazit: Top-Unterhaltung für diejenigen, die Grauen nicht scheuen, das man auch nach der Lektüre nicht mehr aus dem Herz bekommt.

Taschenbuch: 548 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (1. September 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453024540
ISBN-13: 978-3453024540





Håkan Nesser – Mensch ohne Hund


Kymlinge, ein verschneites Dorf in Schweden in dem an einem Wochenende die irgendwie skurril wirkende Familie Hermannson zusammen kommen um zwei Geburstage zu feiern: Den fünfundsechzigsten von Vater Karl-Erik – Lehrer von Beruf, Bildungsbürger par excellence und gerade erst pensioniert – sowie den vierzigsten der ältesten Tochter Ebba, erfolgreiche Ärztin, Mutter zweier halbwüchsiger Söhne und ihrer Ansicht nach weit unter Stand mit einem Supermarktleiter verheiratet.

Weiter sind zu den Feierlichkeiten die jüngste Tochter Kristina – Mitarbeiterin beim Fernsehen- und ihr Ehemann – ein karrierebewusster TV-Produzent – mit dem sie einen leicht autistischen Sohn im Alter von 2 Jahren hat, erwartet.

Eingeladen ist auch das schwarze Schaf der Familie Walter Hermannson. Dieser macht den Jubilaren ein Strich durch die Rechnung in dem er erst gar nicht zu der Feier erscheint. Das geplante rauschende Fest fällt ins Wasser, die Stimmung ist verhalten. Warum ist Walter nicht erschienen. Walter, der bemitleidenswerte Berühmtheit im schwedischen Fernsehen erreicht hat, indem er durch unrühmliches Verhalten in einer Art Dschungelcamp in Übersee mitgemacht hat und dort dummerweise vor natürlich laufenden Kameras beim onanieren erwischt wurde und seitdem Wichswalter genannt wird.

Bei einem ungewöhnlichen Familientreffen verschwinden der ungeliebte Sohn des Patriarchen und ein braver Enkel, während der Rest der Familie Frust und Zorn und Ärger, ja sogar Mordgedanken, mit sich trägt. Man nimmt das Verschwinden zuerst nicht ernst, als aber die zuständigen Polizeibehörden nichts über den Verbleib in Erfahrung bringen, rechnet man mit dem Schlimmsten.

Erst ein halbes Jahr nach der Familienzusammenkunft wird ein Toter entdeckt, dessen Beschreibung zumindest auf einen der Vermissten zutrifft und es wird noch ein weiteres, halbes Jahr vergehen, bis Licht in die grausame Familientragödie kommt.

Und dann kommt Inspektor Gunnar Barbarotti ins Spiel … der aber heillos überfordert ist und mit seinem Ermittlungen nicht vorran kommt. Genauso wie der Leser, tappt auch der Inspektor und sein Ermittlungsteam im Dunklen.

Mit Ruhe und Krimi-ungewöhnlicher Gemütlichkeit führt der Autor den Leser an die Protagonisten (und an ihre Schwächen und Stärken) heran  und stellt auch den Herrn Barbarotti in Zeitlupe dar.

Wer einen klassischen Grusel-Gänsehaut-ich-lass-lieber-das-Licht-an erwartet, der hat falsche, nicht aber zu wenige Erwartungen. Die ausführlichen Charakter-Beschreibungen sind zentrale Elemente des Romans. Gelassen und fast schon lässig mit einer sehr hohen Liebe zum Detail und zur Psychologie skizziert Håkan Nesser eine gar nicht so ungewöhnliche Familiengeschichte, dessen Tragödie sich erst ganz zum Schluß dem Leser offenbart, auch wenn man während der Lektüre bereits deutliche Hinweise für eigene Vermutungen erhält.

Barbarotti als neuer Kommissar ist charismatisch, eigenwillig, sympathisch und aus ähnlichem Holz geschnitzt, wie Veeteren. So verwundert es nicht, dass Verlagsrezensionen sich einer Meinung sind: Nesser war nie besser. In der Tat.

Ein gemütlicher Krimi für dunkle und lange Winter- und Feierabende: wer Nesser liebt, wird auch an diesem Romans Gefallen finden, die starken Charakterbeschreibungen werden auch Lesern von Nesbo oder Stieg Larsson gefallen.





Alice Sebold – In meinem Himmel

“Mein Nachname war Salmon, also Lachs, wie der Fisch; Vorname Susie.

Ich war vierzehn, als ich am 6. Dezember 1973 ermordet wurde.”
Nachdem ich im Kino die Vorschau zu “In meinem Himmel gesehen habe”, war meine spirituelle Ader sofort angesprochen. 2 Tage später war das Buch da und mit ihm die Geschichte um Susie Salmon und ihrem Himmel. Susie wird von ihrem harmlosen und in der Gemeinschaft geschätzten, wenn auch mitunter als komischen beschrieben, Nachbarn in ein Maisfeld gelockt. Dort wird sie vergewaltigt, umgebracht und zerstückelt. Schön, dass die Autorin auf blutige Details verzichtet hat und stattdessen die Gefühlslage der Susie wiedergegeben hat.

Susies Leiche wird nie gefunden, ausser einem Ellenbogen bleibt die 14 Jährige Verschwunden. Das weitere Geschehen beobachtet sie vom Himmel aus. Wie geht die Familie mit dem Schmerz des Verlustes um? Wie entwickeln sich ihre ehemaligen Schulkameraden? Wie kommt die Polizei mit ihren Ermittlungen voran?

All das wird mit messerscharfem Blick und ohne Anflug von Sentimentalität beschrieben. Ich durchlebte beim Lesen ein Wechselbad der Gefühle, schwer zu beschrieben, wie es mir bei einige Szenen ging. Leider verliert das Buch nach gut 200 Seiten seine fesselnd Kraft. Es fängt stark an und lässt dann Seite um Seite nach.

Die Ermittlungen kommen nicht voran, die Familie zerbricht, die Geschwister werden erwachsen, das Leben geht weiter. Es scheint fast so, als seien der Autorin beim Schreiben die Ideen ausgegangen. Sie verliert sich in “typischen” Alltagsgeschichten. Als Leser hätte man sich sicher einen fulminanten Schluss gewünscht.

Andererseits liegt gerade in den leisen Tönen auch eine Stärke des Buchs: Die Wehmut verpasster Chancen erfüllt nicht nur die Toten; dabei ist “Loslassen” der einzig wahre Schlüssel zum Glück.

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Ich werde mit den Film im Kino (Kinostart im Februar 2010) dennoch ansehen, ich denke, einige Szenen kann man visuell besser umsetzten als vielleicht beschreiben ;-) .





Jo Nesbø – Schneemann

Jo Nesbo - SchneemannDie Leiche, die Gert Rafto in der Nähe von Bergen im Schnee liegen sieht, ist nur anhand ihrer Brust als Frau zu erkennen. Den Rest hat der Mörder bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt. In der Nähe der Leiche findet der Polizist einen Schneemann: wie noch bei vielen anderen Frauen, die auf ähnlich bestialische Weise ermordet worden sind — und werden.

Kommissar Harry Hole findet heraus, dass die Morde unmittelbar mit den Kindern der Ermordeten zusammenhängen. Und er steigt hinab in die dunkle Seele eines Täters, den die Presse publikumswirksam „Schneemann“ nennt — und der es nicht zuletzt auf Holes große Liebe Rakel abgesehen hat. Aber welche Rolle spielen der zwielichtige Gert Rafto und seine Tochter in dem tödlichen Spiel?

Mein erster Nesbo und ich muss sagen, Jo Nesbo hat in mir einen neuen Fan gefunden. Ich bin eh ein großer Fan der Schweden-Krimis und wollte mir Jo Nesbos demnach nicht entgehen lassen.

Die ersten Seiten haben es in sich und lesen sich sehr gut und schnell weg, dann aber wird es wirr und ich hätte mir fast Notizen zu den Charakteren gemacht. Denn immer wenn, der erste Schnee fällt, verschwinden Frauen und nur ein Schneemann bleibt zurück, der so etwas wie die Visitenkarte des Mörders zu sein scheint.

Kommissar Harry Hole übernimmt, gemeinsam mit seiner neuen Kollegin Katrine Bratt, die Fälle und glaubt schon früh den Serienmörder im Visier zu haben. Nach dessen vermeintlichen Selbstmord gilt der Fall als abgeschlossen, nur Hole gefällt die Sache nicht und recherchiert weiter, was letztlich auch als klug anzusehen ist, da der wahre Täter immer noch auf freiem Fuß ist, da die Morde nicht enden. Der Fall “Schneemann” wird wieder aufgenommen und erst am Ende fügt sich die Wahrheit zusammen.

Harry Hole stellt einen lebensechten Kommissar dar, der mit menschlichen Problemen, wie z.B. dem Alkoholismus, zu kämpfen hat. Dennoch ist er einer der besten Ermittler und läuft zu Hochformen auf, wenn er die Witterung bei einem Fall aufgenommen hat. Unterstützt wird er von Katrine Bratt, die nicht leicht zu durchschauen ist, aber dennoch eine große Hilfe für Hole darstellt. Gemeinsam ein unschlagbares Team, das das Rätsel um den Schneemann lösen wird.

Wie gesagt, die erste Hälfte hat sich sehr hingezogen, während es ab der 2. Hälfte dann Schlag auf Schlag ging und kaum Zeit zum Luft holen ließ. So habe ich dann das Ende der Story in einer Nacht durchgelesen und war sehr überrascht, wer der Schneemann ist. Ein sehr intelligenter Krimi, der erst in der 2. Hälfte aufzeigt, dass die vielen Informationen der ersten Hälfte natürlich nicht irrelevant sind.

Von mir bekommt der Schneemann 3 Punkte, weil die erste Hälfte eben so undurchsichtig und zäh ist. Für Harry Hole Fans ist aber dieses Buch ein muss. Ich werde die anderen Bücher auch noch lesen, denn das Jo Nesbo es drauf hat, Krimis zu schreiben ist unumstritten.

Broschiert: 496 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (1. Oktober 2009)
ISBN-10: 3548281230
ISBN-13: 978-3548281230





Stieg Larsson: Verblendung – der Film

Am Wochenende haben wir uns endlich Verblendung im Kino angesehen. Und was soll ich sagen, ich war und bin mal wieder absolut beeindruckt und eingenommen von Stieg Larssons Werk.

Der Regisseur Niels Arden Oplev verfilmte einen der meist verkauften Romane der letzten Jahre Verfilmung und im gelang die Umsetzung meiner Meinung nach grandios. Man darf eben nicht glauben, dass ein Buch 1 zu 1 zu einem Film umsetzbar ist.

Und doch kann man bei Stieg Larssons Werk “Verblendung” eine Ausnahme machen, schließlich geht es hier nicht um irgendein Buch, sondern um das Zweitplatzierte der internationalen Bestseller Liste des Jahres 2008. Oder anders gesagt: Der erfolgreichste Krimi des Jahres.


Lisbeth Salander © NFP (Warner)

Ich bin ja sonst sehr sparsam mit Lobhudeleien aller Art, erst Recht wenn es um Filme geht, aber hier möchte ich mich gerne überschlagen vor Lob.

Ich habe mich richtig gefreut, sie alle wiederzusehen. Wundersame, großartige Lisbeth Salander, Mikael Blomkvist, Erika Berger und auch Hendrik Vanger. Auch wenn ich mich erst an die Gesichter der Figuren gewöhnen musste, denn man hat ja immer seine ganz eigenen Vorstellungen, aber ich konnte gar nicht lange darüber nach denken, da hatten alle Darsteller meine Sympathien gewonnen. Jeder Protagonist aus dem Buch war letztlich so, wie er auch in den Bücher erscheint. Allen voran natürlich Lisbeth Salander. Ein Charakter, dem man sich überhaupt nicht entziehen kann. Aber auch “Kalle Blomkvist” hatte nach wenigen Filmminuten meine Sympathien für sich gewonnen.

Ohne zu viel verraten zu wollen, das Buch ist wirklich nahezu identisch umgesetzt werden. Die Vergewaltigungsszene von Nils Bjurmann an Lisbeth Salander ist sehr, sehr schlimm. Noch schlimmer auf einer Großleinwand zu ertragen, ich habe mit teilweise meine Jacke vor die Augen gehalten, weil die Szenen kein gesunder Menschenverstand erträgt. Aber Lisbeth rächt sich ja, und das auf ihre ganz eigene Art und Weise, was ebenfalls mit großem Schlucken meinerseits angeschaut wurde. Die Altersfreigabe von 16 Jahren ist da also mehr als gerechtfertigt.

Ähnlich faszinierend wie die Charaktere der Hauptdarsteller ist auch der Mordfall an sich, dessen Ermittlung spannend und clever konstruiert ist. Die Landschaft Schwedens kommt nicht zu kurz und es macht großen Spaß vor dieser Kulisse mitzurätslen, wer Harriet Vanger umgebracht hat. Oder warum sie verschwunden ist …

Da Verblendungaber nur der erste Teil einer Trilogie einer bereist produzierten Trilogie ist, darf man sich also auf 2 weitere Filme freuen. Im Februar 2010 kommt dann auch schon Verdammnisin die deutschen Kinos (In Schweden läuft der Film ja schon, wer also der schwedischen Sprache mächtig ist, viel Spass :-) ) und im Herbst 20102 dann der letzte Teil “Vergebung” in die Kinos.

Fazit: 5 von 5 Sternen für das Ermittler-Duo Blomkvist und Salander !

Information
Erscheinungstermin: 01.10.2009
Original-Titel: Män som hatar kvinnor
Produktion: Schweden 2009
Darsteller: Noomi Rapace, Michael Nyqvist, Sven-Bertil Taube
Regie: Niels Arden Oplev
FSK: 16
Laufzeit: 152 Min.
Land: Schweden
Genre: Thriller





Henning Mankell: Die italienischen Schuhe

Frederik Welin hat sich in die Einsamkeit geflüchtet. Nach der “Katastrophe”, einem Kunstfehler, der dem Chirurgen unterlief, hat er sich auf eine abgelegene Schäreninsel zurückgezogen. Das ehemalige Haus der Großmutter ist zu seiner “Festung” geworden. Hier kann er, abgeschirmt von der Außenwelt, seine Rituale pflegen.

Im tiefsten Winter, bei schneidendem Wind, hackt er jeden Morgen ein Loch ins Eis und springt hinein. Für ihn ist dies die einzige Möglichkeit, sich selbst zu spüren, zu merken, dass er noch lebt.Es sind die vielen Begegnungen mit ungewöhnlichen, teils skurrilen Menschen, die etwas in Frederik auslösen. Es sind Individualisten, Traumatisierte, lebenskluge Stadtflüchtlinge wie der steinalte Italiener Giaconelli, der Schuhmacher, der nur zwei Paare im Jahr fertigt, oder Agnes, die sich um schwer erziehbare Mädchen kümmert.

Schritt für Schritt entdeckt Frederik die Schönheit und die Grausamkeit des Lebens wieder und spürt das Bedürfnis nach Nähe.

Mein erstes Buch von Henning Mankell – und ich muss ehrlich sagen, ich bin nicht so von den Socken, wie der Autor und seine Bücher angepriesen werden. Sein Schreibstil ist toll, aber auch sehr schwer und nicht fröhlich. Bei der Thematik dieses Buches ist das vielleicht nicht sehr verwunderlich, aber nur grau in grau gefällt mir dann doch nicht.

“Die italienischen Schuhe” machte auf mich den Eindruck ein sehr stiller, sehr tiefer Roman zu sein. Es geht um verpasste Gelegenheiten, Lebenslügen, um das Altwerden und um die Gnade einer zweiten Chance. Henning Mankell wiederum beherrscht diesen Stoff. Er erzählt klar und mit großer sprachlicher Könnerschaft eine Geschichte, die tiefe Einblicke in das Innenleben der Protagonisten zulässt.

Aber ich war ja schon gewarnt, also war ich demnach auch gar nicht so enttäuscht. Die Wortgewalt ist beeindruckend, die Geschichte um Harriet, Louise und Agnes fangen spannend an, werden dann aber oberflächlich und teilweise sehr abstrus.

Da trifft der zurückgezogene ehemalige Chirurg Frederik Welin nach vielen Jahren selbst gewählter Einsamkeit und Ruhe auf einen Haufen harter bzw. hartgewordener, abkanzelnder ja schroffer Frauen die ihn zwar aus seiner “Einsamkeit” herausholen, jedoch auf eine Art und Weise bei der ich manchmal Beklemmungen bekommen habe. Außerdem wollte ich zu diesem Zeitpunkt jetzt nicht unbedingt von langem Siechtum und Tod lesen – alles hat seine Zeit, aber diesmal war es die falsche.

Am Rande: Gefallen hat mir ebenfalls nicht, wie der (irreale, ich weiss ja) Protagonist mit seinen Tieren umgeht. Er tritt die Katze bei Seite, weil er sie gerade nicht ertragen kann. Der Hund wird ausgesperrt und muss draussen schlafen, weil er alt ist und nicht mehr die Treppen schnell genung steigt usw. usf.

Mag vielleicht nicht jeder so eng sehen, aber diese Szenen haben die Geschichte nicht bereichert, also hätte der Autor auf diese Grobheit auch verzichten können. Ein wenig Vorbildfunktion kann auch als Autor nicht schaden.

Fazit: Ein schönes Buch für Abende auf der Couch.

Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (18. Mai 2009)
ISBN-10: 3423211520
ISBN-13: 978-3423211529





John Katzenbach – Das Opfer

John Katzenbach - Das OpferDie attraktive Studentin Ashley Freeman begeht einen folgenschweren Fehler: Angeheitert verbringt sie eine Nacht mit Michael O’Connell, einem Computerfreak und geschickten Hacker.

Was sie nicht weiß: Michael ist ein Psychopath – und er hat beschlossen, dass Ashley die Frau seines Lebens ist. Nichts und niemand wird ihn davon abbringen – und schon gar nicht Ashley. Michael lässt sich nicht abschütteln. Unerbittlich stellt er ihr nach, verschärft seinen Psychoterror gegen ihre Freunde und Verwandten.

Immer schneller beginnt sich eine Spirale des Schreckens zu drehen, die Ashleys gesamte Familie in die Tiefe reißt …

Es war nur eine gemeinsame Nacht, die die Studentin Ashley Freeman mit Michael O’Connell verbracht hat. Eine Nacht, die Ashley bitter bereut, als ihr dämmert, mit wem sie es da zu tun hat. Als sie ihm sagt, sie möchte nicht mit ihm zusammen sein, sie liebt ihn nicht, wird Michael O’Connell erst richtig aktiv. Was sie ebenfalls bitter bereut, denn O’Connell diffamiert ihre komplette Familie. Ihre geschiedenen Eltern, Sally und Scott, sowie Hope, die Geliebte ihrer Mutter. Sie alle bekommen den Hass von O’Connell zu spüren.

Er bedient sich des Internets, um seine Diffamierungskampagnen zu starten und auch vor roher Gewalt schreckt er nicht zurück. Denn er aht nur ein Ziel und dieses heißt Ashley …
Zunächst sind alle schockiert und paralysiert,  beschließen dann aber, zurück zu schlagen, sich ihr Leben nicht von einem Psychopathen zerstören zu lassen …. bevor sie alle daran kaputt gehen, seelisch, wie auch existenziell.

Grundsätzlich ist die Geschichte natürlich spannend, voll überzeugen konnte mich die Geschichte aber nicht. Sie ist zu lang, obwohl die Handlung nur über ein paar Tage geht. Schon früh habe ich mich gefragt, warum die Freemans nicht zur Polizei gehen??

Besonders, als O’Connell bei Sally und Hope einbricht und eine Blutspur hinterlässt, wobei alle genau wissen, dass diese von O’Connell stammen muss, hatten sie einen Beweis für eine Straftat (Stichwort: DNS). Nebenbei: Sally ist Anwältin!

Aber auch sonst hat Katzenbach nicht immer glücklich agiert. Daß O’Connell mit ein paar Computerkursen zu dem Hacker wird, als der er beschrieben wird, ist einfach unglaubwürdig. Zudem schreibt Katzenbach immer wieder recht klischeehaft. Eindeutig überstrapaziert hat er in diesem Zusammenhang das Wort “kalt”. Kaum eine Seite (nach meinem Gefühl), auf der es nicht mal einen kalten Blick oder eine kalte Antwort gab.

Interessant fand ich dafür die wechselnde Erzählperspektive; einerseits der Plot um Ashley und O’Connell, andererseits die Erzählung eines unbekannten Schriftstellers in der Ich-Form. Bis zur letzten Seite, weiss man nicht, mit wem der Unbekannte Schriftsteller spricht. Ich war überrascht, als ich es erfuhr.

Fazit: Muß nicht als Pflichtlektüre für Thrillerfans betrachtet werden! Wenngleich der Plot mehr als Aktuell ist.

Broschiert: 656 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur; Auflage: 1 (1. Juli 2008)
ISBN-10: 342663757X
ISBN-13: 978-3426637579





Markus Zusak – Die Bücherdiebin

Den Tod muss man nicht fürchten. Er ist nämlich, wie er als Ich-Erzähler von sich selbst in einer Vorbemerkung sagt, „bemüht, dieser ganzen Angelegenheit eine fröhliche Seite zu verleihen“. Nur hätten die meisten Menschen „einen tief sitzenden Widerwillen, der es ihnen unmöglich macht, mir zu glauben, so sehr ich auch versuche, sie davon zu überzeugen“. Mit einem weiteren Vorurteil räumt der Tod gleich zu Beginn auf, dass ihm nämlich die Menschen gleichgültig seien. Im Gegenteil.

Ab und zu, so erfahren wir, braucht er sogar eine Auszeit, um sich abzulenken. „Ihr wollt wissen“, fragt er, „wovon ich mich ablenken muss? (…) Es sind die übrig gebliebenen Menschen. / Die Überlebenden.“

Eine solche Überlebende, „eine Expertin im Zurückbleiben“ ist die neunjährige Liesel Meminger. Von ihr handelt dieses wunderbare Buch. Zum ersten Mal begegnet der Tod der neunjährigen Liesel 1939 am Grab ihres kleinen Bruders, wo sie auch ihre Karriere als Bücherdiebin beginnt: Mit Hilfe des Handbuchs für Totengräber lernt sie das Lesen und muss fortan immer wieder Bücher stehlen.

Sie „rettet“ auch welche — vor den Flammen der Nazis. Und hin und wieder bekommt sie auch welche geschenkt. Ihre Liebe zu Büchern muss es sein, die den Tod, der sich selbst hier als großer Erzähler erweist, die Liesel lieb gewinnen lässt. Während um sie herum Bombenhagel alles in Schutt und Asche legen, findet sie Schutz im Keller – und in ihren Büchern.

Vor einigen Tagen gerade habe ich dieses ergreifende Buch beendet. Nicht ohne auf den den letzten Seiten einen großen, schweren Kloss im Hals zu haben.

Die Geschichten handelt von Liesel Meminger, die während des dritten Reiches bereits alle Menschen, die sie liebt, verloren hat, und bei ihren Pflegeeltern Hans und Rosa Hubermann aufwächst.

Die Charaktere dieser Pflegeeltern sind überaus liebevoll mit all ihren Fehlern und Schwächen gezeichnet. Die Mutter Rosa hat eine extrem rauhe Ausstrahlung, sie nennt Liesel z. B. Saumensch und ihren Mann Hans Saukerl. Beim ersten Kennenlernen wirkte sie sehr unsympathisch, aber schnell merkt man, dass sie ein Herz aus Gold hat und ganz besonders die Liesel und ihren Mann liebt. Pflegepapa Hans hingegen ist gutmütig und warmherzig und schließt Liesel sofort in sein Herz.

Das besonderen an diesem Buch ist der Erzähler. Der Erzähler ist niemand anderes, als der Sensemann persönlich. Er erzählt uns vom Tod, wie Familie Hubermann einen jüdischen Faustkämpfer (Boxer) im Keller versteckt, wie Liesel sich mit den Menschen in der Himmelstrasse von Molching arrangiert. Am allermeisten dürfte aber das Schicksal von Max bewegen.

Familie Hubermann verstecken Ihn, trotz großer Angst vor Entdeckung. Für Rosa und Hans kommt es nicht in Frage, den Juden Max davon zu schicken und seinem Schicksal zu überlassen. Das Leben von Max kann erst dann nicht mehr beschützt werden, als Hans einem halb verhungerten jüdischen Mann, die durch Molching (in ein Konzentrationslager) getrieben werden, ein Stück Brot gibt, und er somit ins Visier der Nazis gerät.

Besonders schön und ungewöhnlich sind die  bebilderten Geschichten, die Max als Geschenke für seine Freundin Liesel angefertigt hat. Im Ganzen aber macht es die Geschichte noch aufwühlender – und zeigt gut, womit sich die sog. Kriegskinder beschäftigt haben oder haben mussten.

Es ist für mich immer wieder unglaublich und zutiefst verstörend, dass es im dritten Reich so viele Menschen gegeben hat, die ihren jüdischen Mitmenschen jedes Recht auf Menschlichkeit und Menschenwürde abgesprochen haben. Max malt sich selbst in seiner Geschichte auch nicht mehr als Mensch, sondern als Vogel. (Seine Haare erinnern Liesel an Federn). Sehr gut hat mir auch gefallen, dass die Geschichte zum Nachdenken anregt, sei es über Rassenwahn, Vorurteile oder nicht ganz einfache Entscheidungen, die man in seinem Leben zu treffen hat.

Fazit: Das Schicksal ist nicht planbar und Herzenswünsche sollte man besser schnell verwirklichen, bevor es zu spät ist. Alles in allem ist dieser Roman sowohl inhaltlich als auch sprachlich sehr gelungen und zu Herzen gehend. Ich kann die Lektüre nur empfehlen!

Taschenbuch: 592 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (7. September 2009)
ISBN-10: 3442373956
ISBN-13: 978-3442373956





Gut gegen Nordwind – Daniel Glattauer

Schon mal Angst gehabt, dass sich in eine sehr private E-Mail ein klitzekleiner Fehler einschleicht – und plötzlich ein völlig Fremder die Nachricht bekommt? Emmi Rothner passiert das genaue Gegenteil. Eigentlich will sie nur ein Zeitschriftenabo kündigen.
Doch durch einen Tippfehler landet die E-Mail bei Leo Leike, und zwischen den beiden entflammt ein zunächst zaghafter, mit der Zeit immer leidenschaftlicher Onlineflirt.

Ich habe mich verliebt. In Emmi und Leo.

Ich weiss gar nicht mehr, wie ich auf dieses Buch kam und begann es eher halbherzig zu lesen. Aber mit halben Herzen bleibt man bei diesem Buch nicht lange.

Emails haben wir alle schon geschrieben, ohne Ende vermutlich …. aber mit jemanden, der einem völlig fremd ist, wohl eher nicht. Der der Reiz liegt ja oft in dem, was man nicht kennt oder hat. Und genau damit spielt Daniel Glattauer perfekt in seinem Roman.

Das Buch besteht nur aus Emails, die sich Emmi und Leo schicken. Kurze Emails, die aber sehr intensiv sind. Gut gegen Nordwind ist das erst Buch, dass mich so sehr  in eine emotionale Achterbahn geworfen hat, dass ich mich nach einigen Zeilen komplett in Emmi und Leo verloren habe. Verrückt, aber genial.

Ich habe gelacht, mich geärgert, vor Spannung nicht schlafen können  und zwischendurch auch fast geweint und wenn ich das Buch aus der Hand gelegt habe, darüber nachgedacht, wie das mit den beiden wohl enden wird. Es ist kurzweilig geschrieben, was aber der Intensität keinen Abbruch tut. Und das Ende kam … und hat mich anschließend noch 15 Minuten Herzklopfen wach liegen lassen.

Fazit: Allerwärmste Kaufempfehlung. Gerade für all diejenigen, die mit dem Loch nach Edward und Bella zu tun hatten :-) !

(Und die Geschichte von Emmi undLeo geht tatsächlich weiter in: Alle sieben Wellen.)





Jilliane Hoffman – Cupido

Der Alptraum jeder Frau: Du kommst abends in dein Apartment. Du bist allein. Alles scheint wie immer, nur ein paar Kleinigkeiten lassen dich stutzen. Du kümmerst dich nicht darum. Du gehst schlafen. Und auf diesen Moment, hat der Mann, der unter deinem Fenster lauert, nur gewartet …

C. J. ist Staatsanwältin in Miami, und sie ist ein Ass.  Eines Tages schnappt die Polizei bei einer zufälligen Verkehrskontrolle einen psychopathischen Serienkiller, nach dem seit Monaten gefahndet wird. Weil C. J. die Beste ist, betraut man sie mit der Anklage. Aber als ihr der Mann vorgeführt wird, den sie im Polizeijargon Cupido nennen, ist sie wie gelähmt.

Es besteht kein Zweifel: Ihr gegenüber sitzt der Mann, der sie vor 12 Jahren eine ganze, entsetzliche Nacht lang gefoltert und vergewaltigt hat. Wider aller Vernunft will C. J. nur eins: Vergeltung. Dabei vergisst sie, dass Rache auch blind machen kann. Blind gegenüber der tödlichen Gefahr, die für sie von Cupido noch immer ausgeht …

Ein geniales Buch. Es gehört definitiv zu den besten Büchern, die ich bisher gelesen habe. Vor allem gegen Ende wird man so in das Geschehen vertieft, dass man selbst nicht mehr weiß, wem man hier noch vertrauen kann. Das Buch ist wirklich spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Noch auf der letzten Seite habe ich gedacht: “Oh mein Gott!  Der letzte Satz kann jetzt nochmal alles ändern.”

Ich war auch von dem Ende ziemlich positiv überrascht… Aber selber lesen macht schlau. Also: Wer Thriller gerne liest und bei detaillierten Beschreibungen von diversen Verstümmlungen nicht zu sehr schlucken muss, ist mit diesem Buch sehr gut bedient. Ich habe 2 Tage gebraucht, um es zu beenden. Aber ich wette das geht noch viel schneller. Super realistisch! Ehrlich und aufgrund der Aktualität auch erschreckend.

Fazit: Ich war und bin froh,das ich nicht im Erdgeschoss wohne. Für Freunde von Thrillern ist dieses Buch ein absolutes MUSS.

Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb. (2. Mai 2005)
ISBN-10: 3499239663
ISBN-13: 978-3499239663





Sebastian Fitzek – Die Therapie

In “Die Therapie” geht es um Schizophrenie. Und um die Geschichte eines verschwundene Mädchen. Spurlos verschwunden und es gibt keinerlei Anhaltspunkte, was mit ihr passiert sein könnte. Zurück bleibt ein Elternpaar, welche beide auf ihre Art geistig durchdrehen. Insbesondere der Vater leidet sehr … und zieht sich zurück, praktiziert nicht mehr als angesehener Therapeut in seinem Spezialgebiet -> Schizophrenie.

Bis Ihn eines Tages  -  in seinem Ferienhaus auf einer Insel – eine unbekannte Schöne besucht und ihn ihn ihrer Verzweiflung bittet, ihr zu helfen. Sie leidet unter Schizophrenie und wird von Figuren verfolgt, die in ihren selbst verfassten Romanen entstanden sind und sie quälen.

Mehr kann ich nicht verraten … nur, dass ich absolut SÜCHTIG bin, dieses Buch weiterzulesen. Mitten in der Nacht bin ich wach geworden – nachdem ich bis Mitternacht gelesen habe -  und musste sofort weiterlesen .

Ich weiß nicht, wie man in der Lage sein kann, mit einem gesunden Menschenverstand (das setze ich einfach mal voraus) so fesselnd, authentisch und schaudernd-faszinierend zu schreiben. Keine Sekunde, in der man von der Geschichte abgleitet, sondern wie man sich immer mehr in ihr wiederfindet und die Gänsehaut Stück für Stück in den Körper kriecht.

Fazit: Dieses düstere und beklemmende Werk von Sebastian Fitzek wird wohl noch auf lange Zeit sein Aushängeschild sein; hier kommt der Psycho-Thriller-Fan nicht zu kurz und zumd. ich werde auch seine anderen Bücher noch lesen.


Verlag: Knaur; Auflage: 1. Auflage (1. Juni 2006)
Broschiert: 336 Seiten
ISBN-10: 3426633094
ISBN-13: 978-3426633090





Hape Kerkeling – Ich bin dann mal weg.

Kein Witz: Hape Kerkeling, Deutschlands vielseitigster TV-Entertainer, geht zum Grab des heiligen Jakob: 600 Kilometer durch Frankreich und Spanien bis nach Santiago de Compostela, und erlebt die außergewöhnliche Kraft einer Pilgerreise.Es ist ein sonniger Junimorgen, als Hape Kerkeling, bekennende couch potato, endgültig seinen inneren Schweinehund besiegt und in St.-Jean-Pied-de-Port aufbricht.
Sechs Wochen liegen vor ihm, allein mit sich und seinem elf Kilo schweren Rucksack: über die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen, durch das Baskenland, Navarra und Rioja bis nach Galicien zum Grab des heiligen Jakob, seit über tausend Jahren Ziel für Gläubige aus der ganzen Welt.

Ein wunderbares Buch! Vor alle deshalb, weil innerhalb der ersten Geschichte auch eine zweite erzählt wird. Zum einen die Chronik einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg, zum anderen eine Geschichte über die Menschen. Hape Kerkeling lässt durchschimmern, dass er  nicht nur das Leben sondern auch die Menschen liebt, auch wenn er zwischendurch ordentlich über sie herzieht, so wird doch schnell klar, dass Nächsten- und Eigenliebe nicht voneinander trennbar sind.

Der Fokus der zweiten Geschichte ist die Episode an seinem Namenstag, als angetrunkene Kids beschließen, spaßeshalber in sein Hotelzimmer zu ballern, wofür er sich mit einem Kübel Wasser bei ihnen revanchiert. Der Faden geht über ein vor Jahren mitgemachtes Reinkarnationsseminar zu einem seltsamen Schamanen, dessen Lieblingsautoren Günter Grass, Michael Ende und Adolf Hitler sind. Es klingt wie eine Heilung.

Was da als zweite Geschichte durchschimmert, ist die Möglichkeit, dass Hape Kerkeling ein karmisches Trauma aufgelöst hat. Danach ist Raum für seine persönliche, und mitunter höchst amüsante, Gottesbegegnung.

War vorher seine Wanderung eine introvertierte und einsame, so wird sie von nun an zu einer, an der wohlwollende Freunde ihren Anteil haben.
Diese zweite Geschichte bleibt im Bereich des Möglichen und wird nicht zur zwingenden Schlussfolgerung. Man kann daran glauben oder auch nicht. Spannend ist sie allemal.

Es bleibt das Gefühl, dass da einer auf eine ganz neue, weil sehr persönliche Weise von Gott zu erzählen vermag. Dieser Gott ist um so sympathischer, weil er sich als Berichterstatter ausgerechnet einen Mann ausgesucht hat, der sich zu seiner Homosexualität bekennt und damit die gängigen Kirchenlehren konterkariert.

Gottes Wege sind unerforschlich. Oder vielleicht doch nicht. Vielleicht muss man sie nur gehen ;-) .

Fazit: Ein wundervolles persönliches Buch!

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Malik; erschienen im Oktober 2007
ISBN-10: 3890293123
ISBN-13: 978-3890293127





Jilliane Hoffman – Vater Unser

Jilliane Hoffman - Vater UnserGeorgia Adams wird es mulmig. Zunächst glaubt die Telefonistin der Notrufzentrale von Miami an einen schlechten Scherz, als sie am anderen Ende der Leitung eine schwache Stimme hört. „Helfen Sie uns“, sagt die Stimme: „Ich glaube, er kommt zurück.“

Die Stimme gehört einem der drei kleinen Kinder des renommierten Chirurgen David Marquette. Als Adams die Polizei zu jener Adresse schickt, die ihr der Computer angibt, ist es bereits zu spät. Marquettes Kinder wurden bestialisch ermordet, ebenso seine Frau. Der Arzt liegt übel zugerichtet daneben. Und trotzdem sieht alles so aus, als sei er selbst es gewesen, der seine Familie getötet hat …

Die Staatsanwältin Julia Valentine ist überrascht, als sie den Auftrag erhält, den Mordfall Marquette der Abteilung „Major Crimes“ zu übernehmen. Aber ihre Quote an Verurteilungen ist einfach zu gut, um die clevere Juristin zu übergehen. Fest scheint zu stehen, dass Marquette der Täter ist. Aber: Warum wurde er zum Mörder?
Leidet er wirklich an Wahnvorstellungen und hat seine Familie in einem Zustand psychischer Unzurechnungsfähigkeit ermordet, wie seine Verteidiger sagen? Oder ist er jener berechnende Killer, für den die Polizei ihn hält?

Es gibt ja viele schlechte Meinungen über dieses Buch, aber … mir hat das Buch sehr  gut gefallen und nachhaltig beeindruckt. Vor allem das Ende bereitet mir auch Wochen nach Beendigung des Buches eine dicke, fette Gänsehaut.  Man darf nicht erwarten, dass “Vater Unser” die Fortsetzung von Cupido und Morpheus ist. Diese Geschichte ist eine ganz eigene Geschichte, die mich ziemlich schnell in ihren Bann gezogen hat.

Es ist anders geschrieben, als die anderen beiden Bücher und Jilliane Hoffman , aber es ist ihr wieder gelungen, den Leser zu fesseln durch absoluten Tiefgang. Man wird zum Nachdenken aufgefordert. Ist die Todesstrafe das Richtige? Sollen Mörder, vorallem kranke Mörder zum Tode verurteilt werden? Wo sich gleich die nächste Frage aufwirft, ist der Mörder wirklich schizophren oder spielt er das nur in aller Perfektion vor, um der Todesstrafe zu entkommen? Am Ende wird es klar, wie es um den Mörder wirklich bestellt ist … und hat mich nachhaltig in eine Schockstarre versetzt.

Ich habe mir mein Urteil gebildet, und durch verschiedene Kleinigkeiten die der Täter denkt wurde dieses Urteil bekräftigt, aber sicher kann man sich ja nie sein ;-) .

Fazit: Ich würde das Buch jederzeit weiterempfehlen, denn man kann es fast nicht mehr aus der Hand legen, wenngleich as Buch kein Lesestoff für Leseratten ist , die einfach nur einen Krimi/Thriller runterlesen wollen.

Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 4 (Oktober 2008)
Broschiert: 576 Seiten
ISBN-10: 349924456X
ISBN-13: 978-3499244568





Jiliane Hoffmann – Morpheus

Es scheint die schrecklichste Stunde im Leben von C. J. Larson, der stellvertretenden Staatsanwältin der Stadt Miami. Sie sitzt im Gerichtssaal 4-8, und ihr Freund, Special Agent Dominick Falconetti, wird von Rose Harris, ihrer Freundin, peinlich befragt. Ob es stimme, das sich zwischen ihm und Larson während der Arbeit an den Cupido-Morden vor drei Jahren eine Liebesbeziehung entwickelt habe?

Ob es wahr sei, dass Larson Beweismaterial zurückgehalten habe, um William Rupert Bantling zum Tode verurteilt zu sehen? Mit „Ja“ muss Falconetti immer wieder antworten, bis Larson endlich aus ihrem Alptraum erwacht. Aber jetzt beginnt der Alptraum ihres Lebens. Denn während sie und Falconetti ihre Hochzeit planen, tötet ein von der Sensationspresse „Morpheus“ genannter Serienkiller korrupte Polizisten und droht sie in die Sache hineinzuziehen. Und in der Todeszelle wartet ein Mörder auf Rache …

“Morpheus” ist mein zweiter Roman von Jilliane Hoffman, wie schon bei “Cupido” steht auch hier die Staatsanwältin C. J. Townsend im Mittelpunkt des Geschehens. Aufgrund der detaillierten Beschreibungen ihrer Gefühlswelt kann man sich gut in C. J.s Lage versetzen und nachvollziehen, was sie durchmacht.

Anders wie bei Cupido, sind diese Ausführungen hier oft nicht so ganz passend, da der Grundtenor dieser Geschichte nicht so gravierend und psychisch belastend ist, wie das Geschehen in Cupido.

Gestört haben mich auch dieses oft zu langen Ausführungen und Schilderungen über die Polizisten und deren Dienstgrade und Postionen innerhalb selbiger. Für die Geschichte selbst waren sie irrelevant, das hätte man sicher anders lösen können.

Alles in allem lässt sich “Morpheus” gut lesen und ich bereue es nicht, dass ich dieses Buch gekauft habe. Allerdings ist dies auch wieder ein Buch, wo man den Vorgänger Cupido unbedingt gelesen haben sollte, denn dieses Buch schliesst da an und baut sich teilweise darauf auf. Auch wenn es an Cupido nicht heran reicht.

Fazit: Fortsetzung mit Schwächen, aber im Ganzen ein hervorragendes Buch, wenn man Cupido vorher gelesen hat.

Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 14 (1. November 2006)
Broschiert: 400 Seiten
ISBN-10: 3499236915
ISBN-13: 978-3499236914

Jiliane Hoffmann – Morpheus




Stieg Larsson – Vergebung (3. Teil)

Wer suchet, der tötet. Die Ermittlerin Lisbeth Salander steht unter Mordverdacht.

Ihr Partner Mikael Blomkvist schwört, ihre Unschuld zu beweisen. Er weiß, dass es um Salanders Leben geht. Als seine Ermittlungen die schwedische Regierung in ihren Grundfesten zu erschüttern drohen, setzt er alles auf eine Karte…
Mit “Vergebung” wird die spannende Trilogie mit dem unerschütterlichen Ermittler – Duo Mikael Blomkvist & Lisbeth Salander und der Chefredakteurin Erika Berger u.v.a  abgeschlossen.

Gefreut habe ich mich, diese Figuren wiederzusehen, hatte ich sie aus den “Verblendung”  und “Verdammnis” noch gut in Erinnerung. Man sollte deswegen auch unbedingt die beiden ersten Bücher (der Reihe nach) gelesen haben.

In den dritten Teil kann man nicht einsteigen, ohne den Zweiten gelesen zu haben. Also könnte man schon, aber blöde fürs Lese-Erlebnis, denn das zweite Buch schließt nahtlos an das dritte und letzte Buch an.

Daher hier nochmal die Lesereihenfolge:

1. Verblendung
2. Verdammnis
3. Vergebung

Nachdem Lisbeth Salander durch die schockierenden Geschehnisse im 2. Buch erstmal außer Gefecht gesetzt ist, aber noch lebt, veranlasst der schwedischen Geheimdienst eine wahre Hetzjagd  auf Lisbeth, versucht sie mit allen Mitteln zu töten und damit für immer zum Schweigen zu bringen. Keinesfalls darf ans Licht kommen, was sie über die Machenschaften einer  Gruppierung innerhalb der hochgeachteten Schwedischen Sicherheitspolizei weiß.

Ihr Freund (und das heißt nicht, dass er auch Lisbeths Freud ist ) Mikael Blomkvist – Journalist der Zeitschrift Millennium -  und weitere Personen nehmen den Kampf gegen diese Übermacht der Gruppierung innerhalb der schwedischen Sicherheitspolizei auf …. die Konfrontation zwischen Gut und Böse schließlich ist ein Fest für jeden Krimi-Fan!!

Auch wenn es zwischenzeitlich etwas sehr Politik-lastig und langatmig ist, muss man diese Abschnitte gelesen haben, um das ganze Ausmaß der Zalatschenko-Gruppe zu verstehen.

Erika Berger (ebenfalls eine der Hauptfiguren aus den Vorgängerbänden) gibt ihren Posten als Chefredakteurin bei Millennium auf und besetzt den selben Posten bei einer großen, aber kränkelnden schwedischen Zeitung. Dort hat sie ihre ganz eigenen Probleme zu bewältigen, die zwar nichts mit dem Hauptstrang zu tun haben, aber dennoch interessant und spannend geschrieben sind – und mir des öfteren einen Schauer über den Rücken gejagt haben.

Überrascht und fasziniert hat mich wieder mal die kleine Person: Lisbeth Salander. In diesem Buch zeigt sie nochmal, was sie eigentlich wirklich drauf hat und wer ist ist bzw. warum sie so geworden ist, wie sie ist. Ich habe mich diebisch gefreut, als sie endlich an ihre “Waffen” kam und sich in den Kampf einschalten konnte.

Die letzten 200 Seiten habe ich in einem verschlungen und gelesen, bis es draußen schon wieder hell wurde (- gut, dass ich Urlaub habe) und mir 2 Fingernägel abgekaut und zwischendurch gemerkt, das ich das weiteratmen vergessen habe. Ja, es zieht sich zwischen drin mal um ein paar Seiten … aber dafür hat’s das Ende umso mehr in sich und ist wirklich bedrücken. Vor allem die Gerichtsverhandlung hat mir einen Kloß im Hals und feuchte Augen eingebracht.

Fazit: Die ganze Trilogie gehört in jedes gut sortierte Bücherregal. Krimi auf ganz hohen Niveau! Was letztlich auch die Verfilmung der Bücher beweist.

Taschenbuch: 864 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (9. Mai 2009)
ISBN-10: 3453434064
ISBN-13: 978-3453434066





Stieg Larsson – Verdammnis (2. Teil)

Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin “Millennium” eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden.

Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein.
Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.
Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt …

Wunderbarer Stieg Larsson :-)   … mit diesem Buch setzt er fort, was er mit “Verblendung” begonnen hat. Aber diesmal erfährt man mehr, über die hoch-intelligente, aber sehr eigenartige Person Lisbeth Salander.

Allein mit Lisbeth und ihrer Person könnte man ein ganzes Buch fühlen. Sie ist eine ambivalente Figur, mit einer traurigen Vergangenheit, die immer wieder unterschätzt wird. Ich habe mich in Lisbeth doch sehr wiedergefunden, denn sie kann genau wie ich zwei Dinge nicht leider, Ungerechtigkeiten und Lügen. Schon auf den ersten Seiten kann man gar nicht anders, als Lisbeth ins Herz zu schließen … und sich gleichzeitig zu fragen:

  • Warum ist sie so wie sie heute ist?
  • Was war All das Böse als sie 12 Jahre alt war?
  • Wieso hat sie kein Vertrauen in den schwedischen Staat?

Ihre Vergangenheit ist traurig und düster, Lebensfreude sucht man eigentlich vergeblich, dennoch scheint Lisbeth kein unglücklicher Mensch zu sein. Sicher klingt einiges manchmal etwas Realitätsfern, aber darum geht es auch gar nicht, finde ich. Wie auch immer, Lisbeth Salander ist eine Figur, deren Faszination man sich kaum entziehen kann.

Die Geschichte fängt langsam an, aber wenn der Plot einmal losgeht, liest man es ein einem durch. Der Zwang, weiterzulesen war noch größer, als bei dem ersten Buch. Stieg Larsson baut eine hohe Spannung auf, die sich durch jede einzelne Seite zieht und nicht einmal abfällt. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, es wird langweilig oder es wäre zu viel irrelevantes geschrieben worden.

Die Story endet dann aber ziemlich abrupt und ich konnte gar nicht glauben, dass sie schon zu Ende ist .. man ist so mittendrin, dass es eigentlich unmöglich hier aufhören kann.Fällt mir sehr schwer, mich nun noch bis zum 9. Mai zu gedulden, wenn der 3. Teil “Vergebung” erscheint.

FAZIT: Ein Thriller, der von Anfang bis Ende die Spannung auf einem so hohen Niveau hält, dass man das Buch kaum zur Seite legen mag.

Für Quereinsteiger ist die “Millennium-Trilogie” übrigens gänzlich ungeeignet. Die Handlung baut aufeinander auf und in “Verdammnis” werden viele Details ausgeplaudert, die man vor der Lektüre von “Verblendung” definitiv nicht wissen sollte.

Taschenbuch: 768 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (August 2008)
ISBN-10: 3453433173
ISBN-13: 978-3453433175





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